Fragen an Assocalzaturifici-Präsident Siro Badon

„Es kommt kein Geld an“

Siro Badon, Vorsitzender von Assocalzaturifici (Foto: Micam)
Siro Badon, Vorsitzender von Assocalzaturifici (Foto: Micam)

Russland ist für zahlreiche italienische Schuhhersteller ein wichtiger Markt. Wie bewertet Siro Badon, Präsident des Industrieverbands Assocalzaturifici, die aktuelle Situation im Vorfeld der Micam?

Erwarten Sie, dass russische Einkäufer zur Micam kommen werden?

Die Situation ist in der Tat sehr kompliziert, und wenn sich die Dinge nicht kurzfristig ändern, wird es für sie sehr schwierig sein, teilzunehmen.

Für viele italienische Schuhfirmen sind der russische und der ukrainische Markt sehr wichtig. Wie gehen diese Unternehmen mit dieser Situation um? Wie bleiben sie mit ihren Kunden in Kontakt?

Die russische Militäroperation in der Ukraine wird erhebliche Auswirkungen auf unsere Unternehmen haben. Jegliche Sanktionen oder Einschränkungen werden den Handel mit diesen Ländern beeinträchtigen. Russland ist einer unserer wichtigsten Märkte: Letztes Jahr haben wir hier 3 Mio. Paar Schuhe verkauft und einen Umsatz von 220 Mio. Euro und ein Wachstum von 9% verzeichnet. Die Ukraine, die 400.000 Paar italienische Schuhe im Wert von 30 Mio. Euro importiert hat, verzeichnete ein Wachstum von 16%. Für die italienische Schuhindustrie sind Russland und die Ukraine wichtige Märkte mit einer hohen Nachfrage nach Luxuswaren, auf denen wir regelmäßig Messeveranstaltungen organisieren. Die Situation ist wirklich sehr kritisch, und wenn sich die Lage nicht bessert, könnte neben der humanitären Krise, die natürlich unsere Hauptsorge ist, auch unsere Branche einen sehr schweren Schlag erleiden. Und nach zwei Jahren Pandemie, steigenden Energiekosten und Rohstoffpreise und Inflation könnte der lang ersehnte Aufschwung gefährdet sein. Einige unserer Produktionsbezirke, wie die Region Marken, sind stark gefährdet, da sie stärker vom Handel mit diesen Ländern abhängig sind.

Wie wird der Zahlungsverkehr nach dem Ausschluss der russischen Banken von SWIFT funktionieren?

Der Ausschluss mehrerer russischer Banken aus dem SWIFT-Abkommen ist ein schwerer Schlag für das Zahlungssystem. Aber über diese konkrete Maßnahme hinaus bedeutet der Verfall des Rubels gegenüber dem Euro und dem Dollar sowie das Einfrieren der Reserven der russischen Zentralbank, dass es für die Kunden praktisch unmöglich ist, ihr Geld in ausländische Währungen umzutauschen. Die aktuellen Auftragseingänge waren sehr vielversprechend, können aber nicht bestätigt werden. Die Hersteller werden unweigerlich nicht in der Lage sein zu liefern, weil das Geld nicht ankommt. Russische Banken können kein Geld an westliche Banken überweisen.

Wie könnten die Schuhe dennoch nach Russland geliefert werden?

Es ist weniger ein logistisches Problem der Lieferungen als ein Problem der eingefrorenen Kunden- und Lieferantengelder. Der russische Markt läuft Gefahr, völlig isoliert zu werden - oder vielleicht teilweise isoliert zu werden, da er sich zunehmend auf chinesische Zahlungssysteme verlagert.

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Helge Neumann / 07.03.2022 - 15:20 Uhr

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