Zwischen Realitätssinn und Gestaltungsanspruch
Mayer will sich damit von pauschalen Niedergangsszenarien abgrenzen. Die Probleme negiert er nicht, bewertet sie aber nüchtern: Der Markt schrumpfe nicht einfach nur, vielmehr veränderten sich Strukturen, Anforderungen und Erfolgsfaktoren. Daraus leitet der ANWR Austria-Geschäftsführer einen Anspruch für die ANWR Austria ab: Die Verbundgruppe soll sich nicht darauf beschränken, Entwicklungen zu begleiten, sondern den Handel aktiv mitgestalten. Ein zentrales Element dieser Strategie ist ANWR Connect: In der Brandbox Salzburg hat die Verbundgruppe einen offenen Treffpunkt geschaffen, der bewusst nicht als klassisches Veranstaltungsformat aufgesetzt ist. Keine enge Agenda, kein fixes Programm, kein unmittelbarer Verkaufsfokus – sondern Raum für Gespräche, Begegnung und Austausch. Den Gedanken dahinter umschreibt Andreas Mayer so: Bevor Händler bereit sind, offen über Probleme, Unsicherheiten oder Veränderungsbedarf zu sprechen, braucht es eine Atmosphäre, in der Vertrauen entstehen kann: „Es geht vor allem um Kommunikation und darum, ein gemeinschaftliches Mindset zu finden.“
Nach Beobachtung der ANWR Austria entstehen aus diesen informellen Kontakten durchaus konkrete Folgeprozesse – etwa in Erfa-Gruppen oder in strukturierteren Gesprächen. Der Unterschied: Der Einstieg erfolgt niederschwelliger und weniger formalisiert.
Der zweite Schwerpunkt liegt auf der operativen Unterstützung der Händler. Mayer formuliert das so: Es gehe nicht darum, den Schuhhandel neu zu erfinden, sondern an den Punkten anzusetzen, an denen sich Unternehmen messbar verbessern können. „Entscheidend ist, in Lösungen zu denken, in Möglichkeiten zu denken – und nicht in Problemen“, sagt er. Gemeint sind damit vor allem jene Stellschrauben, die sich im Tagesgeschäft tatsächlich beeinflussen lassen: Einkauf, Abverkaufssteuerung, Sortimentsbewertung, Kennzahlenvergleich und betriebswirtschaftliche Transparenz. In einem Markt mit schmalen Margen könne schon eine kleine Verbesserung in einzelnen Bereichen spürbar sein.