In Ihren drei Berliner Geschäften verkaufen Sie sehr hochwertige und individuelle Mode, Schuhe und Möbel. Wie geht es dem Schuh zur Zeit?
Grundsätzlich sind Schuhe ja kein einfaches Thema. Wenn ich mir anschaue, was in den Geschäften steht, habe ich den Eindruck, dass es kaum noch wirklich gute Schuhe gibt. Selbst in Paris bei Le Bon Marché, wo es eine sehr große Schuhabteilung gibt, sehe ich selten etwas, das mich überzeugt. Das meiste ist zu klobig oder zu plakativ. Dafür gibt es jede Menge Sneaker. Es trägt ja auch kaum noch jemand gute Lederschuhe.
Was haben Sie gegen Sneaker?
Naja, letztendlich sind die meisten Sneaker ein Haufen Plastik. Aber das scheint niemanden zu interessieren; ebenso wie die Tatsache, dass ein Lederschuh dem Fuß einen ganz anderen Schutz bietet und es nicht gesund ist, immerzu nur Sneaker zu tragen. Vielleicht denken sich die Leute ja auch, dass sie nicht so viel in gute Schuhe investieren wollen, weil der Schuh nur rund ein Vierzigstel ihres Körpers bedeckt. Wenn ich dann aber in hochwertigen Schuhgeschäften sehe, dass für Sneaker bis zu 900 Euro aufgerufen werden, frage ich mich, ob man mich auf den Arm nehmen will. Ich glaube, ich verstehe den Schuhmarkt nicht so richtig.
Für modische Looks ist der Sneaker wohl unverzichtbar…
Tut mir leid, aber diesen Look à la Christian Lindner – diese kurzen, knappen Sakköchen und engen, kurzen Hosen und weiße Turnschuhe dazu – finde ich schrecklich. Dennoch ist alle Welt in weißen Sneakern unterwegs. Neulich habe ich meinem 17-jährigen Sohn angeboten, sich einen schönen Lederschuh aus unserem Sortiment auszusuchen. Aber das wollte er nicht. Er wollte lieber seine Turnschuhe behalten, statt einen tollen Lederschuh von Marsèll geschenkt zu bekommen.
Das ist bitter. Was kann man da tun?
Ich habe keine Ahnung. Vielleicht müssen die Leute besser darüber informiert werden, dass Turnschuhe die Füße auf Dauer deformieren. Aber ob das was nützt? Viele halten Lederschuhe offenbar für altbacken. Immerhin hat Brad Pitt kürzlich auf der Biennale in Venedig Schuhe von Marsèll getragen.
Marsèll ist Ihr wichtigster Schuhlieferant. Was zeichnet ihn aus?
Marsèll ist ein perfektes Produkt. Wer Marsèll kauft, weiß, dass er einen Schuh bekommt, der qualitativ und in Bezug auf Komfort unübertroffen ist. Man muss ihn nicht eintragen, er ist von der ersten Sekunde an bequem. Zudem steht ein hervorragender Service dahinter. Es macht eine Kundin glücklich, wenn man den Schuh, den sie liebt, einschicken kann und sie ihn wie neu wieder zurückbekommt. Letztes Jahr war ich in Padua und habe das Unternehmen besucht. Wenn man dort ist, spürt man sofort, dass alles stimmt. Die Mitarbeitenden sind glücklich, sie stellen ein tolles Produkt her, das meiste in Handarbeit. Auch meine Mitarbeitenden stehen zu 100% hinter diesem Schuh. Wir haben den Marsèll-Anteil im Laufe der Jahre immer weiter aufgestockt, denn im Grunde findet hier jede und jeder den richtigen Schuh. Mittlerweile führen wir insgesamt rund 100 Styles, für Frauen und Männer etwa gleich viel.
Wie kommt es, dass der Herrenschuhanteil so hoch ist?
Das ist tatsächlich ein Verdienst der Marke. Männer, die einen wirklich guten, auch formellen Schuh suchen, werden sehr oft bei uns fündig. Unser Kunde ist begeistert von Marsèll.
Welche Rolle spielen die Schuhe der Textilmarken, die Sie führen?
Die Schuhe der Designerlabels sind oft zu teuer für das, was man dafür bekommt. Daher habe ich mein Engagement hier zurückgefahren. Vereinzelt kaufe ich zwar immer noch etwas von Dries van Noten oder Rick Owens. Grundsätzlich aber konzentrieren wir uns bei Schuhen nun weitgehend auf unser Kerngeschäft, und das ist Marsèll.
Welche Modelle sind die erfolgreichsten?
Sehr gut ist zum Beispiel der Loafer. Er ist dem Loafer von The Row recht ähnlich, kostet aber nicht 1600 Euro wie bei The Row, sondern 800 Euro.