Mit dem Saisonstart ist Christof Bär erst einmal zufrieden. In der zweiten Septemberwoche wurde der traditionelle Katalog als Saisonimpuls verschickt. Passend dazu gab es einen Wetterumschwung. „Wir sind Stand heute zufrieden und bekommen positives Feedback auf unsere Kollektion und die immer weiter optimierte Passform“, resümiert der Bär-Geschäftsführer. Den September 2023 hingegen würde der Unternehmer gern vergessen, seinerzeit hatte das viel zu warme Wetter die Umsätze in der gesamten Schuhbranche in die Knie gezwungen. Bär vergleicht daher die Umsatzzahlen mit dem Jahr 2022 und sieht das aktuelle Jahr gleichauf. „Wenn Oktober und November gut laufen, werden wir das Jahr mit einem Plus abschließen. Und wir haben noch einiges vor.“ Zu den geplanten Aktivitäten gehört eine Neueröffnung in Trier Mitte November. Der Standort habe schon länger auf der Agenda gestanden; nun ergab sich die Gelegenheit. „Wir wollen jetzt ganz bewusst investieren. Denn wenn es wieder richtig losgeht, sind die guten Lagen schnell weg“, so Christof Bär. Nicht Teil der Strategie für die kommenden Monate sind umfangreiche Sale-Aktionen. Im vergangenen Jahr habe man zu dieser Maßnahme greifen müssen, um Anreize zu schaffen und Neukunden zu gewinnen. „Aber das ist mir gar nicht recht, das haben wir über Jahrzehnte nicht gemacht.“ Nun soll es zwar gezielte Aktionen in der Black Week und zum Ende der Saison im Januar geben – ansonsten aber will Bär „mit einer guten Kollektion punkten, mit Sichtbarkeit und mit Vertrauensbildung“.
Vor zwei Jahren startete das Unternehmen, das seine Schuhe traditionell über eigene Stores, Kataloge und den eigenen Onlineshop vermarktet, eine Wholesale-Strategie und spricht seitdem gezielt den Schuhfachhandel an. Nach einer gewissen Anlaufzeit entwickele sich das Geschäft nun, sagt Christof Bär: „Wir arbeiten mit rund 40 Händlern, darunter
viele Orthopädie-Geschäfte und Outdoor-Läden.“ Als Lieferant wolle Bär ein hohes Maß an Flexibilität bieten und beispielsweise mit kleinen Mindestmengen arbeiten, um den Einstieg zu erleichtern. Zwei Handelsvertreter fungieren inzwischen als Bindeglied zwischen Hersteller und Händlern. Auch auf Messen zeigt das Unternehmen Flagge. Damit wollen die Schwaben weiter im Schuhhandel wachsen: „Ich denke, dass wir das Netzwerk in den nächsten ein, zwei Jahren jeweils verdoppeln können“, sagt Christof Bär.
Neben der breiten Zehenbox, traditionell dem wichtigsten Feature der Schuhmarke Bär, setzt das Unternehmen inzwischen wieder stark auf Barfußschuhe. Rund 15% des Umsatzes werden von diesem Schuhsegment generiert. Dass das Thema derzeit einen regelrechten Hype erfährt, freut den Unternehmer. „Es ist super, dass da viel Bewegung drin ist.“ Bedenken aber hat er auch: „Alles, was auch nur eine Socke mit Noppen drunter ist, nennt sich heute Barfußschuh. Das finde ich fragwürdig, denn nicht alle Schuhe sind hochwertig.“ Erhebliche Unterschiede gebe es bei den verwendeten Materialien und auch der Zehenraum sei nicht immer optimal. Der Konkurrenz will Bär mit Qualität und Know-how entgegentreten: „Unser Fokus ist der Mensch und die Beratung. Für uns ist wichtig, zu ermitteln, was der Mensch wirklich braucht. Will er wandern, einen Marathon laufen oder braucht er einen Schuh für den Alltag? Wir beziehen bei unserer Beratung auch weitere Faktoren wie Körpergewicht und Fitnessgrad mit ein. Wir haben 40 Jahre Erfahrung im Bequemschuhbereich und wissen, worauf es ankommt.“ Darum komme es nicht selten vor, dass Kunden mit dem Wunsch, einen Barfußschuh zu kaufen, einen der aktuell 21 Bär-Filialen betreten – und diese dann mit einem Modell inklusive Dämpfung in der Sohle verlassen. Dem Handel empfiehlt Christof Bär, das Thema Barfußschuhe mit Kompetenz darzustellen. Und da sei weniger oft mehr. „Wenn man sieben, acht Marken aus diesem Segment im Sortiment führt, kann man sich leicht in der Komplexität verlieren. Ich glaube, es ist wichtig, sich zu konzentrieren.“ Das sagt der Unternehmer Bär auch, weil sein Unternehmen in jeder Kollektion viele Segmente abdeckt – vom klassischen Barfußschuh über Straßenschuhe bis hin zu Wander- und Performance-Schuhen – alle mit breiter Zehenbox, versteht sich.
Vielfalt an Barfußschuhen
Mit seinen Barfußschuhen will sich Bär auch in technischer Hinsicht von der Konkurrenz absetzen. Das Konzept der Archraiser-Sohle, das gemeinsam mit dem Orthopäden Dr. Norbert Becker entwickelt worden ist, biete beispielsweise eine Unterstützung im Mittelfußbereich, ohne den Fuß einzuengen. Wird der Schuh etwa im Fitnessstudio getragen, kann der Archraiser mittels Schnürung aktiviert werden und bündelt dann die Sehnen und Muskeln in der Mitte des Fußes. Wird diese Funktion nicht benötigt, kann das Element einfach gelockert werden. Ein Filzfutter soll sicherstellen, dass auch im Winter niemand kalte Füße bekommt. Wobei Christof Bär darauf verweist, dass die breite Zehenbox ohnehin für eine gute Durchblutung der Zehen und damit weniger Frieren sorgt. Im Programm hat Bär außerdem Barfußschuhe mit Sneakersohlen, modische Chelsea-Boots und knöchelhohe Schnürer sowie für die festliche Jahreszeit auch Ballerinas in Lackleder. Wer gern in die Berge geht, kann dies mit Bär-Barfußschuhen im Louis-Trenker-Stil machen. Die Wanderschuhe mit typischer Agraffen-Schnürung sind rutsch- und trittfest. Neu ist auch der Einsatz eines Materials, das biomimetisch agiert: Es nimmt laut Christof Bär die Auftrittskraft auf, erzeugt aber nur Gegendruck in der Frequenz der körpereigenen Bandscheiben. Als Zwischensohle verwendet, sorgt es für Dämpfung und ermöglicht zugleich, dass der Fuß die Bodenbeschaffung wahrnehmen kann. Mit Barfußschuhen will Bär wachsen und ebenso mit Sport- und Aktivschuhen. Beides seien Segmente mit steigender Nachfrage. Großen Wert legt das Unternehmen laut Christof Bär auf umfassende Information und Beratung der Kundinnen und Kunden. Dafür schult das Unternehmen auch die Händler, die mit der Marke arbeiten. „Die Schuhe einfach ins Regal stellen und schauen, dass sie sich verkaufen, das reicht nicht“, betont der Unternehmer. „Man muss erklären können, warum viel Zehenfreiheit und ein Vorschubraum wichtig sind und warum unsere hochwertigen Leder und die Doppelnähte von großer Bedeutung sind. Wer das berücksichtigt, kann von der Marge, die wir bieten, profitieren.“ Dem Handel bietet Bär daher Unterstützung bei Aktionstagen an und organisiert Webinare, um das notwendige Wissen zu vermitteln. Zum Einkaufserlebnis in den Bär-Geschäften gehört ein 3D-Scanner, mit dem der gesamte Fuß erfasst wird. Auf Basis dieser Daten kann der optimal passende Bär-Schuh ermittelt werden. Damit könne, so Christof Bär, auch die Retourenquote im Versandhandel deutlich verbessert werden.