Die Debatte über Arbeitsbedingungen habe zu ersten Fortschritten in dem südostasiatischen Land geführt, erklärte Jan Eggert, Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE), in Köln. “Ein wesentlicher Fortschritt betrifft das Bewusstsein der Verantwortlichen in Bangladesch selbst. Hier ist bei der Regierung und den Unternehmern tatsächlich ein Umdenken erkennbar.”
So habe die Regierung in erstmals eine Reihe von Fabriken aufgrund von Verstößen gegen Brand- und Gebäudesicherheitsbestimmungen geschlossen. Zudem plane sie, 800 neue Inspekteure einzustellen, die die Einhaltung von Gesetzen und Arbeitsschutz-Richtlinien überwachen sollen. Nach Angaben von Lorenz Berzau, Managing Director der Business Social Compliance Initiative (BSCI) – eine Initiative des europäischen Einzelhandels zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Lieferländern – , gab es zuvor nur 21 Inspekteure, die die rund 5.000 Fabriken des Landes kontrollierten.
Unabhängig von der personellen Aufstockung gelte mit Blick auf die gesamte Supply Chain: “Wir sind nicht in der Lage, die ganze Kette zu kontrollieren”, so Eggert. Eine Entscheidung über die Erhöhung des Mindestlohns soll m 20. November getroffen werden. Eine Lohnkommission hatte eine Steigerung um 77% vorgeschlagen.
Auch BSCI hat reagiert und wird künftig unangekündigte Audits in den Fabriken durchführen. “Das alles sind wichtige Ansätze”, sagte Jan Eggert. “Man sollte aber nicht in Euphorie verfallen, sondern die Entwicklung realistisch sehen. Gesetze gab es auch schon vor den Unglücksfällen. Sie wurden und werden aber oft nicht eingehalten und durchgesetzt. So muss man leider sagen: Das Risiko, dass es in naher Zukunft wieder zu einer großen Katastrophe kommen kann, ist kaum geringer geworden.”
Zudem sei nicht gesichert, dass eine Erhöhung des Mindestlohns tatsächlich bei den Arbeiterinnen und Arbeitern in den Fabriken ankommen. “Die Einhaltung der geltenden Gesetze ist die erste große Hürde auf dem Weg zu besseren Arbeitsbedingungen”, so Lorenz Berzau. Für den AVE steht daher fest, dass eine wirklich nachhaltige Verbesserung nicht über Aktionspläne, Gütesiegel, schärferer Gesetze und Kontrollen erreichten werden kann. “Entscheidend ist, dass in Bangladesch und in anderen Lieferländern selbst ein Umdenken stattfindet und ein Bewusstsein für gute Arbeitsbedingungen entsteht.”