Die 1894 im tschechischen Zlín in Südmähren von Schuhmachermeister Tomáš Bat’a gegründete Schuhmanufaktur hat dort unauslöschliche Spuren hinterlassen. In dem Geburtsort des Gründers gibt es nicht nur ein Bata-Museum, selbst die erst vor zwei Jahren gegründete Universität, der Flughafen und ein Kanal sind nach ihm benannt.
Nach einer Bildungsreise in die USA läutete Tomáš Bat’a Ende des 19. Jahrhunderts auch in Europa die Massenschuhproduktion ein und verwandelte Zlín so in eine industrielle Musterstadt. Bata war der erste internationale Schuhhersteller mit einem für breite Bevölkerungsschichten erschwinglichen Angebot an Schuhen in guter Qualität. Dabei hatte Tomáš Bat’a das enorme Wachstumspotential der Branche vor Augen: „Die Hälfte der Weltbevölkerung läuft barfuß. Nur 5% sind mit guten Schuhen ausgestattet. Da sieht man, wie wenig wir bisher erreicht haben und wie viel Arbeit auf die Schuhmacher der Welt wartet.“ Heutzutage würde man ihn als Entrepreneur, Visionär und Workaholic bezeichnen.
Bereits vier Jahrzehnte später, 1932, produzierte der Bata-Konzern 18 Mio. Paar Schuhe im Jahr und verkaufte diese in 2.500 Geschäften rund um den Globus. Tomáš Bat’a kam im gleichen Jahr bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, doch es war ihm gelungen, ein Imperium aufzubauen, dank dem das rote Bata-Logo unter der Führung seiner Nachkommen bis heute an Tausenden Geschäften in 70 Ländern auf fünf Kontinenten zu sehen ist. Bata wurde zwar gleich nach dem Krieg in der Tschechoslowakei verstaatlicht und der Name verschwand dort praktisch von der Bildfläche, doch Sohn Tomáš Bat’a Junior setzte den globalen Siegeszug von Kanada aus fort, wohin er ausgewandert war. In dem Land verstarb er auch 2008 im Alter von 93 Jahren und hatte die Geschäftsführung 2001 bereits an seinen Sohn Thomas George Bata übergeben, der das Unternehmen als CEO bis 2008 führte und diesem noch bis 2015 als Präsident vorstand.
Der Vorläufer der Vertikalen
Die Geschäftsstrategie von Bata basiert bis heute auf einem vertikal integrierten Produktionsmodell und wurde damit praktisch zum Vorläufer vertikaler Methoden von Firmen wie Deichmann oder dem Textil-Giganten Inditex. Die Implementierung skalierbarer Prozesse ist ein wesentlicher Bestandteil der globalen Wachstumsstrategie des Unternehmens. Ein Beispiel für die globale Expansionsstrategie ist das Indiengeschäft des Tochterunternehmens Bata India Ltd. Dort ist die Firma seit 1931 präsent und führt die Rangliste der Schuhhersteller und Schuheinzelhändler an. In dem inzwischen bevölkerungsreichsten Land der Erde betreibt das Unternehmen gegenwärtig mehr als 2.000 Geschäfte, davon 1.700 eigene Filialen in mehr als 600 großen und mittelgroßen Städten landesweit. Die übrigen 300 sind Lizenzgeschäfte in kleineren Städten und auf dem Land, mit denen im Laufe der letzten Dekade das Einzelhandelsnetzwerk flächendeckender gestaltet wurde. Allein in Indien erreicht der Umsatz fast 300 Mio. Euro pro Jahr. Damit dürfte das Land schätzungsweise ein Drittel zum Gesamtumsatz des Konzerns beitragen, über den keine offiziellen Zahlen vorliegen. 2020 wurde sogar der CEO von Bata India Ltd., Sandeep Kataria, an die Führungsspitze des Gesamtkonzerns berufen.