Beim Thema Preiserhöhungen sei laut BDSE zu berücksichtigen, dass die meisten Schuhe heutzutage in asiatischen Niedriglohnländern gefertigt werden. Und die zum Teil unzumutbaren Arbeitsbedingungen der textil- und lederverarbeitenden Fertigungsbetriebe würden in den Medien immer wieder publikumswirksam dargestellt werden.
Für die Medien und auch für viele Verbraucher sei auf den ersten Blick nicht ersichtlich, warum z.B. ein Schuh im Handel 69,90 Euro kostet, der zu Billigstlöhnen in China oder Bangladesch produziert wurde. Jedes Einzelhandelsunternehmen sollte seine Mitarbeiter daher auf entsprechende Fragen von Kunden vorbereiten.
In diesem Zusammenhang weist der BDSE darauf hin, dass der größte Teil der Wertschöpfung im Hochlohnland Deutschland erfolge. Der Handel müsse hierzulande jeden Schuh zu den hohen – und weiter steigenden – Kosten verkaufen. Tragen müsse der Einzelhandel vor allem inländische Löhne und Gehälter für die Mitarbeiter, hiesige Mieten, Energiekosten, Kosten für Werbung, Ladenbau etc. und nicht zuletzt die deutsche Mehrwertsteuer.
Nachdem alle diese Kosten beglichen wurden, blieb dem mittelständischen Schuhfachhandel im Jahr 2013 laut BDSE-Statistik-Report gerade einmal ein Gewinn von 1,7 Prozent vom Umsatz. In den vergangenen 3 Jahren (2011 bis 2013) lag der Gewinn im Durchschnitt bei ca. 2,0 Prozent vom Umsatz. In 2014 dürfte das Ergebnis aufgrund der schwierigen Herbst-Winter-Saison deutlich schmaler ausgefallen sein. Und dieser Gewinn muss auch noch versteuert werden. Auf die skizzierte Ertragssituation sollte man nachfragende Kunden hinweisen.
Am Beispiel eines Paar Schuhe mit einem Verkaufspreis von 69,90 Euro verdeutlicht, heißt das: Dem Verkaufserlös von 69,90 stehen anteilige Kosten des Händlers (inklusive Einkaufspreis) in Höhe von 68,51 Euro gegenüber. Allein 28,75 Euro fallen als Einkaufspreis an, weitere 11,16 Euro müssen als Mehrwertsteuer an das Finanzamt abgeführt werden. Zu diesen warenbezogenen Kosten in Höhe von insgesamt 39,91 Euro kommen noch anteilige Personalkosten (15,45 Euro), Miete inkl. Nebenkosten (7,20 Euro), Kosten für Werbung (1,33 Euro), für Zinsen und Abschreibungen (1,47 Euro) und sonstige Kosten (3,15 Euro).
Dem Schuhfachhandel bliebe damit beim Verkauf eines Paars Schuhe zum Preis von 69,90 Euro im Durchschnitt lediglich ein – noch zu versteuernder! – Gewinn in Höhe von 1,39 Euro.
Auch Verkaufskräfte hätten vielfach völlig überhöhte Vorstellungen von der Ertragssituation im mittelständischen Schuhfachhandel. Dies könne sich durchaus negativ auf deren Motivation auswirken. Der BDSE empfiehlt daher, die Mitarbeiter regelmäßig über die betriebswirtschaftliche Situation des eigenen Unternehmens oder zumindest der Branche zu informieren.