Der Tenor ist eindeutig: Zwar könne man die gezeigten Zustände keinesfalls gutheißen, jedoch bedürfe es einer objektiven Diskussion über das Thema. Alle Bemühungen, die katastrophalen Bedingungen der Lederproduktion in Bangladesch abzustellen, sollen intensiviert werden.
Fritz Terbuyken, ANWR, stellt fest, dass die Reportage erhebliches Echo bei Verbrauchern auslöste: “Die ZDF-Dokumentation in der Reihe ’37 Grad’ über die Ledergewinnung in Bangladesch hat bei den Verbrauchern die Emotionen hoch schlagen lassen. Dies bestätigen uns unsere Fachhändler. Sie wurden vermehrt von verunsicherten Konsumenten nach der Herkunft der Leder in ihrem Angebot befragt. Unsere Ansprüche an die Arbeitsbedingungen der Menschen, an die Lebensbedingungen der Tiere, an Umweltbedingungen und an Schadstoffbelastungen des Rohstoffs Leder sind mit den geschilderten Bedingungen kaum vereinbar. Als Genossenschaft des Schuhhandels will und muss die ANWR Group und die zur Gruppe gehörenden Handelskooperationen diese Entwicklung im Auge behalten. Dennoch wäre es voreilig, einer konsequenten Europäisierung bei der Ledergewinnung und -verarbeitung das Wort zu reden. Eine Produktion nach unseren Standards würde zumindest regional massive gesellschaftliche Umbrüche zur Folge haben und bestimmte Preislagen für Lederschuhe unmöglich machen. Darüber hinaus könnte die heute gepflegte medienwirksame Skandalisierung der Ledergewinnung in Fernost wie auch in Lateinamerika ernsthafte Barrieren schaffen gegen den Kauf und die Nutzung von Lederschuhen. Dem Schuhhandel und der Markenindustrie muss daher bewusst werden, dass die Beschaffung aus solchen Quellen für die gesamte Branche negative Auswirkungen haben kann und dringend Standards geschaffen werden müssen, damit für den Verbraucher nachvollziehbar wird, für welches Produkt er sich entscheidet.”
Dagegen hat der HDS/L hat in einer Erklärung die in der Sendung erhobenen Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. „Wir verstehen es grundsätzlich, dass sich die Medien kritisch mit dem Thema Leder und Schadstoffe auseinandersetzen und können die Sorgen der Verbraucher bezüglich gesunder, schadstofffreier Schuhe und Lederwaren zum Teil sehr gut nachvollziehen. Leider müssen wir feststellen, dass durch die teilweise reißerische und verallgemeinernde Berichterstattung wie zuletzt in der ZDF-Sendung 37 Grad ein sehr negatives Licht auf die gesamte Branche geworfen wird, was wir weder nachvollziehen noch in dieser Form gelten lassen können“, so der Herstellerverband. Das Gegenteil sei der Fall: Alle namhaften Marken unter den deutschen Schuh- und Lederwarenherstellern setzten alles daran, qualitativ hochwertige, schadstofffreie Schuhe herzustellen. „Sie wählen ihre Lieferanten und Gerbereien mit viel Sorgfalt aus. Langjährige und vertrauensvolle Partnerschaften garantieren, dass die verwendeten Materialien höchsten Qualitätsansprüchen genügen.“ In diesem Zusammenhang weist der HDS/L auf die unter dem Dach des DSI gegründete Kooperation CADS (Cooperation avoiding dangerous substances) hin, deren Ziel es sei, das Wissen über Schadstoffe zu bündeln und an alle Unternehmen weiterzugeben, die sich mit der Herstellung und dem Handel von Schuhen und Lederwaren beschäftigen. Zu CADS gehören derzeit mehr als 60 Unternehmen aus Industrie und Handel. “Gemeinsam mit diesen Unternehmen arbeiten wir permanent und konsequent an der Verbesserung der Produktionsbedingungen und der Vermeidung von Schadstoffen innerhalb der gesamten Herstellungskette. Das betrifft auch die Produktionsstätten im Ausland, zum Beispiel in China oder Indien. Doch damit nicht genug. CADS hat allgemeine Mindestanforderungen formuliert. Diese Bemühungen sind in einer gemeinsamen Richtlinie gemündet. Das “Verzeichnis eingeschränkt nutzbarer Substanzen in Schuhen” ist in enger Abstimmung mit unabhängigen Prüf- und technischen Instituten entstanden. Sämtliche CADS angeschlossene Unternehmen verpflichten sich freiwillig, den bewusst hoch gesteckten Richtlinien gerecht zu werden. Schließlich geht es doch darum, dem Verbraucher mehr Freude und Sicherheit beim Kauf von hochwertigen, schadstofffreien Schuhen zu schenken”, so der HDS/L weiter.
Zum ZDF-Film “Gift auf unserer Haut” geht es hier.