Was gab es nicht für Spekulationen im Vorfeld der Bread & Butter? Letztes Jahr hatte Messechef Karl-Heinz Müller überraschenderweise über 100 Ausstellern gekündigt und eine konzeptionelle Neuaufstellung in Aussicht gestellt. Mit großer Spannung wurden die sichtbaren Konsequenzen auf der Messe erwartet. Tatsächlich zeigte sich die Januar-Ausgabe in einer neuen Form. Viele Aussteller begrüßten die Strukturierung und Konzentration der Hallen, Besucher lobten die Übersichtlichkeit der Messe am Flughafen Tempelhof.
Auch wenn sich vieles im Januar änderte, eines bleibt gleich: Die Bread & Butter ist nach wie vor die internationale Leitmesse der Urban- und Streetwear. Den Abgängen stellte Messe-Chef Karl-Heinz Müller auf der Eröffnungspressekonferenz rund 100 Neuzugänge gegenüber. Dazu gehörten u.a. Napapijri, Kappa, FTC Cashmere und Roeckl. Mit weiteren 50 Re-Entries, darunter Crocs, Emu Aus- tralia und Onitsuka Tiger, stellten insgesamt 560 Marken auf der Bread & Butter aus, davon kamen 12% aus Deutschland. Eine der auffälligsten Veränderungen im Vergleich zu vorherigen Messen erwartete die Besucher unmittelbar nach dem Eingang. Aus der zentralen ‘Denim Base’ wurde die ‘Urban Base’. “Hier wird das neue Hallenkonzept besonders sichtbar”, erklärte Karl-Heinz Müller. “Die großen Marken wurden am Rand platziert, es gibt keine Schluchten mehr, die Halle sieht aufgeräumter aus – wir haben ein schönes, stimmiges Bild.” Aufgrund der Umstrukturierung bliebt der Hangar 1 erstmals frei. “Als alleiniger Inhaber der Bread & Butter habe ich mich entschlossen in die Zukunft zu investieren. Zu Gunsten eines eindeutigen Profils habe ich auf 25% des Umsatzes verzichtet”, so Karl-Heinz Müller, der allen Spekulationen über einen Umzug der Messe entgegentrat: “Wir bekennen uns klar zu Berlin! Es gibt keine Alternative.”
Zufriedenheit überwiegt
Von Seiten der Aussteller wurden das neue Konzept und die Besucherresonanz zwiespältig bewertet. Angesichts des von Karl-Heinz Müller postulierten Anspruchs, wieder ‘tradeshow for selected brands’ mit einem klaren Fokus auf authentische Marken sein zu wollen, überraschte die Präsenz des einen oder anderen Herstellers. Über diese konzeptionellen Irritationen hinaus nagen die vielen Parallelveranstaltungen in der Hauptstadt an der Leitmesse. “Es gibt mittlerweile einfach zu viele Veranstaltungen in Berlin. Das kann auch an der Bread & Butter nicht spurlos vorübergehen”, hieß es am Stand einer britischen Sneakermarke. Auch Anne-Katrin Hummel von Flip Flop bemerkte einen Besucherrückgang: “Man merkt deutlich, dass sich in Berlin alles mehr verteilt und es auf der Bread & Butter ruhiger geworden ist – vor allem am letzten Tag”.
Auch der zurückgekehrte Winter und das damit verbundene Verkehrsproblem hätten sich auf den Messebesuch negativ ausgewirkt, erklärte Stefan Seidl von Björn Borg, das erstmals in der zentralen ‘Urban Base’ ausstellte. “Dennoch konnten wir die beste Bread & Butter aller Zeiten für uns verbuchen.” Zufriedenheit herrschte auch am Stand von Neuaussteller Napapijri, auf dem auch die neue Footwear-Kollektion gezeigt wurde. “Ob 5.000 Besucher mehr oder weniger – die Bread & Butter ist einfach eine gute Messe zum richtigen Zeitpunkt”, sagte Dirk Pues von Napapijri Footwear. Unaufgeregt formulierte es Floris van Bommel: Die Messe sei “in Ordnung” gewesen.
Trends im Überblick
Zu den wichtigsten Warengruppen gehören auf der Bread & Butter bekanntlich Sneaker, die sich mit Fellfutter, neuen Materialkombinationen und gröberen Sohlen für die neue Wintersaison gerüstet haben. In dem sportlichen Thema stecke noch “viel Musik”, hieß es – auch für den Schuhfachhandel. Darüber hinaus bleiben Slipper und Pantoffelschnitte ein Trendthema. Bei Boots kristallisieren sich Ankle Boots und Stiefeletten als Ideenbringer heraus, während Langschäfter in den Kollektionen deutlich in der Minderheit waren. Bei den Herren bleibt es maskulin: Derbe Boots, markante Sohlen und raue, ‘männliche’ Materialien bleiben bestimmend. Farblich geht es im kommenden Herbst/Winter etwas ruhiger zu. Zu den wichtigsten Nuancen gehören Bordeaux, Flaschengrün, Dunkelblau sowie eine Palette an warmen Metallictönen rund um Kupfer. Materialkombinationen geben stilistisch die Marschrichtung vor.
Zahlen, bitte!
Und die Veränderungen rund um die Bread & Butter reißen nicht ab. Direkt nach Abschluss der Messe zog das komplette Team vom bisherigen Hauptquartier in Berlin-Mitte in das Haus Cumberland auf dem Kurfürstendamm, in dem Karl-Heinz Müller im Dezember 2012 auch den zweiten 14 oz. Store eröffnet hat. Und auch im Hinblick auf die kommende Veranstaltung im Juli 2013 wurden bereits weitere Neuerungen angekündigt.
So soll es nach dem Vorbild der L.O.C.K.-Area, in dem hochwertige Menswear-Brands ausstellen, künftig einen konzentrierten Bereich für das hochwertige Damensegment geben – das bislang eher auf der Premium vertreten war. Darüber hinaus sollen im Sommer nach dem Willen des Veranstalters erstmals alle Besucher Eintritt zahlen, die nicht Einkäufer bzw. Einzelhändler oder Pressevertreter sind.
Für andere Besuchergruppen, dazu gehören Stoffhändler, Messeveranstalter und Real-Estate Repräsentanten, wird der Eintritt künftig kostenpflichtig. “Wir werden für diese Gruppen einen nicht unerheblichen Beitrag erheben, ähnlich wie bei einem Kongress. Das ist nur fair, eine Leistung muss schließlich bezahlt werden”, so Karl-Heinz Müller. Die Einnahmen sollen in einen verbesserten Service re-investiert werden, denn “alle wissen, dass die Bread & Butter immer etwas zurückgibt.”