Anfangs führte er ausschließlich Schuhe, 70 % Damen, 30 % Herren. Lieferanten waren Pantanetti, Fiorentino+Baker, AGL, Alberto Fermani, Vic Matié, OXS, Officine Creative, später kam noch Moma hinzu. Dazu Taschen von Furla, Coccinelle oder Francesco Biasi. „Das waren Namen, die hier noch nicht sehr bekannt waren“, erinnert sich Meyer. Es war eine Zeit, in der „nicht die Marke, sondern das Design im Mittelpunkt stand und made in Italy oder zumindest Europe noch sehr wichtig war“. Tatsächlich war es ein Ausnahme-Sortiment, das er dem Gärtnerplatz-Publikum präsentierte, geschmacklich explizit und handverlesen, „mit einer sehr italienischen Note“. Stammkundinnen und -kunden wurden „berufstätige, unabhängige Frauen“ und ausgesprochen „modebewusste Männer“, zunächst vorwiegend aus der Nachbarschaft. Inzwischen finden auch sehr viele Touristen, je nach Zeitpunkt und Jahreszeit zwischen 50 und 80 % seiner Kundschaft, den Weg zum Gärtnerplatz – darunter zunehmend auch arabische Gäste, die den Hochsommer gern in München verbringen. 2017 beschloss Nikolaus Meyer, textile Mode zu seinen Schuhen zu addieren, denn „das ist eine natürliche Symbiose“, ist er überzeugt. Zudem „verkauft sich ein Schuh nun mal leichter, wenn man einen Look anbieten kann“; generell erleichtert der Textilanteil das Schuhhändlerleben, denn „beim Schuh muss ich schon acht bis zehn Paar pro Artikel bevorraten, um einen guten Service zu bieten, während bei einem Kleidungsstück drei, vier Teile reichen“. Also baute er den Textilpart sukzessive moderat aus, sein Konzept funktionierte weiterhin gut.
Dann kam die Pandemie, die auch für Morgantini einiges nachhaltig änderte. „Viele arbeiten noch immer im Homeoffice“, sagt Meyer, „einen Businessschuh braucht heute niemand mehr.“ Stattdessen sei der Sneaker auf der Überholspur. Die Menschen hätten im Zuge der Pandemie „eine ausgeprägte Vorliebe für Bequemlichkeit“ entwickelt, sagt Nikolaus Meyer, „ich glaube, vom Komfortgedanken kommen wir auch nicht mehr weg.“ Die bittere Konsequenz daraus: „Zum Herbst/Winter 2023/24 haben wir die Herrenschuhe verabschiedet.“ Eine Entscheidung, die „sich anfühlte, als ob man sich den kleinen Finger abschneidet“, und die doch unausweichlich war. Ein weiterer Einschnitt war die Trennung von AGL und Officine Creative, zwei bis dahin wichtige Lieferanten, die Meyer bis heute schätzt. Doch eine weitere Zusammenarbeit „hatte aufgrund der Forcierung der eigenen Online-Shops und der damit verbundenen permanenten Rabatt-Aktionen wie Black Friday, Muttertag, Vatertag, Newsletter-Anmeldung etc. keinen Sinn.“
Die erfreuliche Seite der Medaille ist, dass Meyer nun den Textilanteil weiter ausbauen kann: „Seit die Herren weg sind, führen wir Textil und Schuhe zu je 50 %.“ Es ist ein vielfältiges, ein inspirierendes Sortiment, wie die Schuhe handverlesen und immer nicht das Übliche, eher die Ausnahme. Man sieht viel Fließendes, Weiches, Anschmiegsames; „Kofferware“, sagt Meyer, „wir haben viel Viskose/Elastan oder Viskose/Nylon, das ist unkompliziert und pflegeleicht“. Sehr wichtig ist ihm dabei „ein besonderer Schnitt, ein guter Print“. Damit „haben wir uns unsere Nische im mittleren bis gehobenen Segment erarbeitet“. Präsentiert wird die Mode nach Farbthemen auf filigranen schwarzen Kleiderstangen, das weitere Mobiliar, Regale für die Schuhe, Wände, die beiden Umkleidekabinen und der Gussestrich-Boden sind ganz in Beigetönen gehalten. Storedesign und Ladenbau sind bewusst zurückgenommen, „damit die Ware optimal zur Geltung kommt“. Highlight ist der Kassenblock mit einer Front aus handgeflochtenem Leder, eine Spezialanfertigung und „mein ganzer Stolz“, lächelt Meyer. Nach Farbthemen sind auch die großen Fenster gestaltet, die nicht nur in der Pandemie das wichtigste Marketing-Instrument waren. Auch heute werden die Looks oft aus dem Fenster heraus verkauft. „Wir sind natürlich auch auf Instagram vertreten“, sagt Meyer, „lieber lasse ich jedoch die Schaufenster sprechen.“