Wichtigstes Reformvorhaben in dieser Hinsicht ist die Absicht, der ländlichen Bevölkerung, die derzeit einen Großteil der rund 200 Mio. Wanderarbeiter auf den Baustellen und in den Fabriken ausmacht, mehr Rechte einzuräumen und sie am zunehmenden Wohlstand teilhaben zu lassen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das ’houkou‘-Meldesystem, das derzeit der ländlichen Bevölkerung strenge Vorgaben bezüglich Schulbildung, Gesundheitsvorsorge und auch Eheschließungen macht. Vor dem Hintergrund dieser Einschränkungen haben sich die Wanderarbeiter in den vergangenen Jahrzehnten mit einer niedrigeren Bezahlung im Vergleich zu den Arbeitern aus den urbanen Zentren abgefunden. Eine Reform des ’houkou‘-System könnte daher zu einer höheren Bezahlung und mehr Rechte für die Wanderarbeiter führen.
„Es bestehen große Unterschiede zwischen einer privilegierten und einer benachteiligten Gruppe. Dieser Schritt wird dazu führen, die Schere ein wenig zu schließen“, bewertet Zhong Dajun, Wirtschaftsexperte aus Peking, die Reform. „Wanderarbeiter werden die gleichen Rechte haben wie die Stadtbewohner. Und wenn sie ein Haus kaufen, können sie dauerhaft in den Städten bleiben.“ Negative Auswirkungen auf die Produktionskosten erwartet Zhong Dajun nicht. Im Gegenteil: „Die besseren Ausbildungschancen der Arbeiter werden sich positiv auf die Produktivität auswirken.“
Die Reform des Meldesystems steht im Einklang mit dem übergeordneten Ziel der chinesischen Regierung, die Wirtschaft des Landes von der arbeitsintensiven ’low-end‘ Produktion in Richtung Innovation zu entwickeln.