Im Gespräch mit dem „Spiegel“ betont Donald Tang, der seit zwei Jahren im Amt ist, das Unternehmen Shein habe bislang zu wenig über sein Geschäftsmodell geredet. Der Onlinehändler sei 2012 gegründet worden und habe zunächst Produkte für junge Frauen angeboten. Inzwischen sei das Angebot um Herren- und Kindermode sowie Haustierbedarf erweitert worden. Den Kunden wolle man helfen, bezahlbare Mode für alle Menschen zugänglich zu machen und deren Traum von Mode zu verwirklichen, so Tang.
Im Hinblick auf Transparenz wolle man sich „künftig allen Fragen stellen“. So produziere Shein nicht rein auftragsbezogen, sondern in kleinen Mengen wie z.B. 100 oder 200 T-Shirts. Steige dann die Nachfrage, werde die Produktionsmenge erhöht. Sinke das Interesse, verfahre man umgekehrt. Die Retourenquote von Shein sei niedriger als der Branchendurchschnitt. Retouren bleiben laut dem geschäftsführenden Vorsitzenden in der Regel in den Lägern auf den jeweiligen Kontinenten und werden von dort weiter verkauft.
Künftig will Shein auch als Marktplatz für andere Anbieter fungieren. Viele Marken seien großartig im Design, aber nicht so gut darin, ihre Lieferketten zu verwalten, so Tang. „Wir glauben, dass wir da helfen können.“
Unterdessen hat Shein das Ziel ausgegeben, bis 2050 klimaneutral sein zu wollen. Zugleich hat das Unternehmen im vergangenen Jahr laut dem „Spiegel“ seine Emissionen fast verdoppelt. Man wolle weiter wachsen und zugleich lokaler werden, so Tang. So würden Shein-Produkte auch in der Türkei produziert und man nutze für Europa Logistikzentren in Polen und Italien. Zugleich werde das Geschäftsmodell dergestalt weiterentwickelt, dass Kunden ihre Kleidung nicht nur für einen Anlass kaufen: „Wir wollen nicht, dass die Menschen zu viel konsumieren. Wir wollen, dass unsere Kunden lieben, was sie kaufen“, so Tang. Auch setze man sich dafür ein, Ausbeutung in den Produktionsstätten zu unterbinden. „Wir müssen mehr tun, wir haben unsere Standards verschärft“, so der geschäftsführende Vorsitzende. Sowohl der CEO als auch er selbst hätten einen Teil ihres Einkommens daran gekoppelt, die ESG-Ziele zu erreichen (Anm. d. Redaktion: ESG steht für Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance)).
Zu Überlegungen in den USA und in der EU, die Zollfreibeträge für Lieferungen zu verändern, äußert sich Tang zurückhaltend. Aktuell können Lieferungen bis 150 Euro Warenwert zollfrei eingeführt werden. Ob eine entsprechende neue Gesetzeslage die Lieferungen verteuern werde, könne er nicht sagen, so Tang. „Das Wichtigste ist, eine transparente Lieferkette zu haben.“