Geduldig erklärt Silvagni die einzelnen Phasen der zehn Jahre dauernden Sohlen-Auseinandersetzung. Er weiß nicht, wie viele Stunden er mit seinen Anwälten in dem Fall Birkenstock recherchiert hat und wie viele schlaflose Nächte ihm dieser Prozess beschert hat. Andere kleine Unternehmen hätten wahrscheinlich längst resigniert, aber Elvio Silvagni lässt sich nicht unterkriegen. Im August 2015 begann der Rechtsstreit zwischen dem italienischen Familienunternehmen Rafting Goldstar und Birkenstock. Im Raum stand der Vorwurf, eine Sandalensohle von Birkenstock kopiert zu haben. „Zehn Jahre lang haben wir gekämpft“, erzählt der sichtlich entspannte Schuhproduzent: „Die Mühlen der Justiz in Europa arbeiten langsam, aber am Ende haben die Richter verstanden, worum es geht. Wir haben nie Zweifel über den Ausgang gehabt.“ In den Benelux-Ländern folgte man der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs bereits 2018, in Deutschland folgte das gleiche Urteil 2024. Ende Januar 2025 erlangte Rafting Goldstar auch im französischen Gerichtshof in Paris ein Urteil zugunsten der eigenen Marke. „Lediglich das Urteil des italienischen Gerichts zweiter Instanz steht nun noch aus“, so Elvio Silvagni, aber das sei Formsache. Jetzt kann er sein zehnjähriges Sohlenjubiläum feiern.
Das sei für ihn eine aufreibende Zeit gewesen, aber er habe die Nerven behalten und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Kollektionsentwicklung, Design und Produktion liefen weiter wie gewohnt. Und: „Da kämpfte David gegen Goliath – ein kleines Familienunternehmen gegen einen börsennotierten Giganten“, so berichtete es die italienische Presse. „Überall in Europa interessierten sich Medien auf einmal für den kleinen Schuhproduzenten aus Fusignano“, erzählt Elvio Silvagni schmunzelnd. Es gab angstvolle Momente und er habe viel Geld in die Hand nehmen müssen, aber der Rechtsstreit habe den Goldstars aus Fusignano viel Aufmerksamkeit gebracht: „Die beste Werbung für uns“.