Und um die Konsumentinnen und Konsumenten besser zu erreichen, will das Unternehmen künftig in E-Commerce-Werbung investieren – entgegen der Überzeugung der Unternehmerin: „Wir wollten nie Meta sponsern, weil die ohnehin genug Geld haben. Aber jetzt müssen wir umdenken.“ Intern gab es im vergangenen Jahr schmerzhafte Einschnitte: 40 Mitarbeitende wurden entlassen: „Wir sind zuletzt sehr schnell gewachsen, teilweise sogar zu schnell. Wir haben viel gelernt, sind heute reifer.“ Jetzt beschäftigt das Unternehmen noch rund 200 Menschen. An der Strategie, als reine D2C-Marke direkt an die Kundinnen und Kunden zu verkaufen, will Wildling weiter festhalten. Der Schuhanbieter verkauft seine Minimalschuhe für Frauen, Männer und Kinder vor allem im Raum DACH und in den Niederlanden, stark wachsend sei die Nachfrage in den USA. Erworben werden können die Wildling-Schuhe – im vergangenen Jahr insgesamt rund 500.000 Paar in einer Preisrange von 49 bis 160 Euro – im eigenen Onlineshop sowie in drei eigenen Läden in Berlin, Köln und Engelskirchen. Weitere Standorte sind nicht geplant. Und eben auch nicht die Zusammenarbeit mit dem Schuhhandel: „B2B ist für uns keine Option. Wir haben das überlegt, aber aufgrund unserer hohen Herstellungskosten rechnet sich das nicht. Hinzu kommt, dass wir großen Wert auf die persönliche Beziehung zu unserer Kundschaft legen. Das ist der größte Wert, den wir haben“, sagt Yona.
„Mehr Leichtigkeit“
In Zukunft will sich Wildling stärker fokussieren – auf die in Portugal gefertigten Schuhkollektionen und auf die Pflege der Communitys. Keine Kompromisse soll es beim Nachhaltigkeitsansatz geben, auch wenn die Konsumenten mehr aufs Geld schauen müssen: „Wir spüren die Preissensibilität der Kundschaft – leider. Ich kann es aber auch verstehen. Oft muss man sich entscheiden, ob man das Bio-Essen will, die Bio-Schuhe oder das E-Auto. Vieles ist teurer geworden. Wenn das nachhaltige Produkt teurer ist als das herkömmliche, dann werden die Kunden weiterhin zu letzterem greifen.“ Trotzdem ist Yona zuversichtlich: „Ich bin vorsichtig guter Dinge, was den weiteren Jahresverlauf betrifft.“ Das Unternehmen ist ein Stück weit erwachsen geworden und nach Überzeugung seiner Gründerin nun gut aufgestellt. Einen Wunsch hat sie aber: „Dass wieder mehr Leichtigkeit spürbar ist. Leichtigkeit in allem, auch im Miteinander. Wir sind alle gebeutelt und bedrückt.“