Man muss sich entscheiden. In ländlichen Lagen kann man entweder Grundversorger sein oder Destination. Weissenhorn in Pfaffenhausen, 2.500 Einwohner, im oberschwäbischen Landkreis Unterallgäu gelegen, ist definitiv letzteres. Denn viele der Kunden – 95% sind Stammkunden – reisen eigens an, auch von weither, aus Augsburg etwa, da ist man mit dem Auto gut eine Stunde unterwegs. In Pfaffenhausen angekommen, werden sie dafür mit Weissenhorn im Doppelpack belohnt: dem Schuhgeschäft auf der einen Straßenseite und dem Fashion Store auf der anderen, beide mit je 250 qm Verkaufsfläche, die Umsatzanteile gleichauf. Während im Modegeschäft in der Regel Chiara Jakob, meist in Gesellschaft ihrer Schwiegermutter Sibylle Achatz, anzutreffen ist, sind das Schuhhaus sowie der Schuh-Online-Shop, den Chiara Jakobs Vater schon vor 15 Jahren gegründet hat und der heute für 30% vom Umsatz steht, die Domäne ihres Lebensgefährten Fabian Achatz. Aber dazu später mehr.
Beide Sortimente, Schuhe und Mode, ergänzen sich, mehr noch: Sie profitieren voneinander. „Die Kunden schätzen es sehr, wenn sie den kompletten Look kaufen können“, sagt Chiara Jakob. Bei Outfits wird der passende Schuh immer mit dekoriert, bei der Modeberatung wird er mit angeboten. Einerseits bringt die Mode den Schuhen Frequenz, andererseits ist der Schuh beim Outfit „eine wichtige Abrundung“. Trotz der scheinbar so selbstverständlichen Verbindung von Mode und Schuhen liegen die Wurzeln des Unternehmens im Schuh: Vor 88 Jahren hat Chiara Jakobs Großvater mit einer Schuhmacherei den Grundstein gelegt. Die Großmutter hat später dafür gesorgt, dass man bei Weissenhorn auch Schuhe von Salamander oder Gabor kaufen konnte; und als Ingrid und Christoph Jakob, Chiara Jakobs Eltern, das Geschäft übernahmen, entwickelte sich das Sortiment weiter, wurde modischer, mutiger, individueller. Trendige Italiener wie Vic Matié, AGL oder Pomme d’Or, Corvari und Officine Creative gaben schon früh bei den Damen den Ton an, Paul Green kam vor einigen Jahren als Einstiegspreislage hinzu. Damit bewegt sich die Preisspanne zwischen 150 und 350 Euro im Sommer und 200 bis 450 Euro im Winter. Das Herrensortiment, Umsatzanteil 30%, liegt preislich zwischen 200 und 400 Euro und wird von Corvari, Galizio Torresi, Officine Creative, Philippe Model, P448, La Mago und Lloyd geprägt. Ergänzend gibt es eine kleine, aber feine Kinderschuhauswahl von Primigi, Naturino und Ricosta.