Zurückhaltende Styles für alle
Niedrigschwellige Wohlfühlatmosphäre sollen die Hollbach-Stores für alle bieten. Die Kernzielgruppe in den Modeläden liegt zwar bei 25 bis 35 Jahren, gerade auf Norderney müssen jedoch Touristen jeden Alters angesprochen werden. „Bei uns muss nicht jeder der Coolste sein. Wir bieten Kleidung, in der sich Menschen jeder Altersgruppe wohlfühlen. Jugendliche kommen genauso zu uns wie meine 70-jährige Mutter“, erklärt es Hollbach. Der Streetwear-Begriff wird bei Hollbach daher eher selten genutzt. Niemand soll sich wie ein Berufsjugendlicher fühlen, wenn er in die Läden geht, sondern sich ohne Vorbehalte auf schöne Mode einlassen können. Da viele regelmäßig auf die Insel fahren, um Urlaub zu machen, sind aus Touristen auch schon Stammkunden geworden. Sie lassen sich jedes Jahr aufs Neue bei Hollbach inspirieren und von der Stimmung einfangen. Der Style besteht aus hochwertigen und zurückhaltenden Teilen. Gut laufende Marken sind Autry und New Balance im Schuhbereich und Anine Bing und MSGM im Modebereich. Der Umsatzanteil zwischen Mode und Schuhen liegt bei 50:50. „Es war am Anfang schwierig, bei allen Marken den Fuß in die Tür zu bekommen“, beschreibt es Hollbach. Während er die Zusammenarbeit mit Puma und Carhartt schnell starten konnte, sind andere Marken nur schwer vom Business mit einem Einzelhändler zu überzeugen. Unter anderem mit Blick auf Adidas, vergangenen Herbst zum ersten Mal auf der Messe Meetnbuy der Sport 2000-Einheit Sneakerforce in Mainhausen vertreten, scheint es in der Industrie wieder ein leichtes Umdenken zu geben, was dieses Thema angeht, schätzt Hollbach ein. Ansonsten kann er die Situation mit Humor nehmen und akzeptiert sie, wie sie ist: „Ich habe mir einfach irgendwann gesagt, ich trage erst dann wieder Nike-Schuhe, wenn ich sie im Laden stehen habe. Aber man muss es akzeptieren.“
Online können andere machen
Obwohl Jannes Hollbach sein Konzept inmitten der Pandemie eröffnet hat und sich zu Beginn mit E-Commerce beschäftigen musste, ist das für ihn jetzt gar kein Thema mehr. Er will sich auf das stationäre Geschäft konzentrieren: „Ich brauche keinen Online-Shop. Ich bin stationärer Einzelhändler, da steckt meine Erfahrung, meine Power und meine Liebe drin. Ganz viele andere machen online mit viel Herzblut und sehr gut, da brauche ich nicht der nächste sein.“ Im kleinen Online-Shop werden lediglich die selbstkreierten Produkte angeboten, die das Sortiment auch in den Läden abrunden. Es werden immer wieder Teile der eigenen Modekollektion präsentiert, außerdem es eine Auswahl an Wein- und Kaffeesorten. Natürlich alles unter dem Label Hollbach und unter dem Motto No Bad Days. Und das stationäre Business ist Herausforderung genug. Denn die Konsumzurückhaltung bekommt auch Hollbach zu spüren. Der Inhaber kann mit seinen unterschiedlichen Konzepten den Vergleich ziehen, wo besonders gespart wird: „Gefühlt sind die Leute bei der Gastronomie und bei Erlebnissen eher bereit, Geld auszugeben. Aber auch da wird bei uns eher der Wein oder das Bier statt des Cocktails bestellt, weil man da genauso die Zeit genießen kann und trotzdem weniger ausgeben muss.“ Letztlich stünden heute ohnehin alle Gewerbetreibende im Wettbewerb miteinander. Nicht nur zwischen verschiedenen Modeanbietern wird entschieden, sondern zwischen diversen Freizeitbeschäftigungen drinnen und draußen, meint er: „Der Kunde überlegt sich genau, was er mit seinem Geld macht. Wir Händler stehen auch nicht nur in Konkurrenz zueinander, sondern mit allen Freizeitmöglichkeiten, bis hin zum Glühwein, der auf dem Weihnachtsmarkt gekauft wird.“ In den Preiskampf begeben will er sich dabei nicht: „Ich bin kein Fan von großen Abschriften und Rabatten, das ist eigentlich nicht die Art, wie ich Einzelhandel führen will.“ Dementsprechend war es etwas Besonderes, als es zuletzt im Store in Münster einen Rabatttag gab, an dem man 10% sparen konnten. Am 8. und 9. Dezember 2023 feierte Hollbach das dreijährige Jubiläum des Münsteraner Stores. Neben der Rabatt-Aktion gab es einen Outlet-Sale, Nachtshopping und eine Party, auf der befreundete DJs aus Norderney aufgelegt haben, um so die beiden Heimatorte von Hollbach zu vereinen. Mitarbeitende und Stammkunden konnten gemeinsam feiern. Ähnliche Events werden auf den Social Media-Kanälen und in den Stores immer wieder angekündigt. Denn auch Partys, DJing und Erlebnisse gehören zur Hollbach-Welt.