Was zeichnet einen guten Sneaker konkret aus?
Er muss optimal an die eigenen Bedürfnisse und die Erfordernisse der jeweiligen Umgebung angepasst sein. Sneaker ist ja nicht gleich Sneaker. Es gibt viele Formen und Designs, die nichts mit Reebok oder Adidas zu tun haben. Es gibt Modelle, die für Sportlichkeit stehen oder für Gesundheit. Es gibt spezielle Wander-Sneaker; die brauchst du übrigens nicht nur zum Wandern in der Natur, sondern auch in der Großstadt, denn wer dort lebt, ist ja eigentlich auch den ganzen Tag auf Wanderschaft. Manche Sneaker sehen auch aus wie ein SUV, die brauchst du aber eher nicht. Mit anderen Worten: Ein guter Sneaker muss vor allem glaubwürdig sein. Ein reiner Fashion-Sneaker ist das nicht.
Spielt Distinktion beim Sneaker eine Rolle?
In gewisser Weise schon; es gibt ja immer wieder Sneaker-Modelle, die einen Hype auslösen. Ich persönlich finde solche Hypes uninteressant. Interessant ist es aus meiner Sicht, einen eigenen Stil zu haben oder das Talent zu kombinieren. Damit hebst du dich mehr ab als mit einem Sneaker für 800 Euro. Ich bin auch der Meinung, dass die Ära des Zurschaustellens von It-Sneakern genauso vorbei ist wie das Zurschaustellen von Reichtum.
Was tragen Sie, wenn Sie keine Sneaker tragen?
Ich liebe auch Boots und trage sie sehr, sehr gern. Boots sind für mich auch so eine Art Spirit-Schuhe. Man hat darin einen festen Stand, ist gut eingeschnürt und fühlt sich allem gewachsen. Die meisten meiner Boots haben einen Performance-Aspekt. Aber auch rein ästhetisch finde ich sie interessant. Wenn ich mich zum Beispiel ein bisschen rausputzen möchte, geben Boots mir die Möglichkeit, mich mal von einer anderen Seite zu zeigen. Sie passen auch immer sehr gut zur schwarzen Hose. Boots sind Power Dressing. Sie stehen für Coolness.
Haben Sie eine Haltung zu Socken?
Natürlich, Socken sind extrem wichtig. Sie sollten vor allem gepflegt sein. Ich finde es nicht gut, wenn jemand seine Schuhe auszieht und eine abgenutzte Ferse zum Vorschein kommt. Ich bin übrigens überhaupt kein Fan von diesen sogenannten Füßlingen. Wenn Leute Füßlinge tragen, das sieht schon sehr deutsch aus. Sie denken, man sieht sie nicht, aber das tut man natürlich doch. Statt dieser Füßlinge empfehle ich Sportsocken.
Apropos deutsch: Wie stehen Sie zu Birkenstock?
Birkenstocks finde ich gut. Fand ich schon immer. Inzwischen sind sie Mode.
Welche Relevanz hat Mode eigentlich noch?
Es gibt nicht mehr den einen Trend, die eine Mode, sondern stattdessen ganz viele Moden, Trends und Mikro-Trends. Das ist ja schon lange so, aber genau das gibt dir die Möglichkeit zu sein, wer du sein möchtest. Genres lösen sich auf, verbinden sich neu, Traditionen werden überwunden oder neu entdeckt. Ich kann eine Krawatte tragen, um Classiness, Stil und Sinn für Handwerk zum Ausdruck zu bringen; ich kann aber auch darauf verzichten. Ich kann Bespoke-Lederschuhe und -Anzüge tragen, ich kann es aber auch lassen, wenn mir nicht danach ist. Mode birgt eine Fülle von Möglichkeiten, und ich habe die Freiheit, aus der Vielzahl der Optionen die auszuwählen, die mir dazu verhelfen, die Person zu werden, die ich sein möchte.
Was ist die Rolle des Handels dabei?
Er hat die Aufgabe, mir eine bestimmte Auswahl zu bieten, sie mir zu erklären und mir dazu einen entsprechenden Service anzubieten.
Gibt es etwas, das Ihnen auffällt, wenn Sie in den Schuhhandel gehen?
Zunächst fällt mir auf, dass der Schuhfachhandel schrumpft. Außerdem entspricht das Angebot in den Geschäften oft nicht der Realität oder dem, was man in Serien oder auf Social Media sieht, wo viele verschiedene Mikrotrends stattfinden. Stattdessen gibt es noch immer die alten Kategorien wie Freizeitschuhe, Winterstiefel oder Sommerschuhe.
Aber die braucht man doch auch!
Natürlich brauche ich einen Schuh für die Freizeit – aber wie sieht der aus? Vielleicht möchte ich in der Freizeit einen Schuh tragen, der wie ein Businessschuh aussieht, aber sehr bequem ist. Oder im Business einen Schuh im Freizeitlook. Es ist genau dasselbe wie mit Frisuren, Looks oder Outfits; die funktionieren auch nicht mehr nach dem althergebrachten Schema. Ich kann in Yoga-Pants zum Yoga gehen, und wenn ich anschließend noch einen Geschäftstermin habe oder ein Abendessen, dann trage ich dabei eben Yoga-Pants. Diese Freiheit haben wir. Und das ist das Coole.