In einem Podcast-Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußert sich Wansleben besorgt über die aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland. Am 29. Oktober wird die DIHK aktuelle Zahlen vorlegen. Sie wird auch am von FDP-Chef Lindner und Fraktionschef Christian Dürr organisierten Wirtschaftsgipfel teilnehmen.
Im Podcast erklärt Wansleben, die Situation sei „ernst, schwierig und fordernd.“ Beim Blick auf die Zahlen habe er spontan gedacht: „Schlimmer geht nimmer.“
Die Unternehmen beklagten, so Wansleben, eine diffuse Gemengelage im Hinblick auf die Kommunikation der Regierung, aber auch eine diffuse Gemengelage dahingehend, was geschehen muss.
Bei der Asien-Pazifik-Konferenz vom 24. bis 26. Oktober in Neu Delhi sowie beim Business-20-Treffen in São Paulo sei klar geworden, dass Europa zunehmend am Rand sitze. „Wir haben uns mit unseren Ansprüchen an sustainable Finance und an das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, wir haben uns mit erhobenem Zeigefinger ganz schön rausgekickt. Das kann einem große Sorgen bereiten“, so Wansleben. Man müsse darüber reden, „wie wir unseren Auftritt weltweit wieder aufpolieren“ – den deutschen und den europäischen.
Von der Bundesregierung erwarte er eine ordentliche Regierungsarbeit, was den Haushalt, Wachstumsinitiativen und den Beschleunigungspakt angeht. Es sei an der Zeit, „wenigstens das jetzt mal durchzuziehen“, so Wansleben.
In Richtung Brüssel appellierte der Wirtschaftsfachmann: „Wir müssen den gesamten Green Deal durchgehen, das ist viel zu engmaschig, viel zu kleinkariert, viel zu bürokratisch. Da müssen wir besser werden. Gesetze wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz funktionieren einfach nicht. Wir müssen nicht nur das deutsche abschaffen, sondern auch das europäische darf so nicht kommen, wie es vorgesehen ist. Weil wir es nicht schaffen, Einfluss auf unsere potenziellen Kunden, Zulieferer und Kooperationspartner zu üben. Wir verlieren Einfluss, die Geschäfte laufen an uns vorbei.“
Aus globaler Perspektive sei es „verheerend für Europa insgesamt, dass es in den letzten Jahren nicht geglückt ist, eine offensive Handelspolitik zu betreiben. Wir haben weltweit erheblich verloren und brauchen einen ganz anderen Ansatz.“
Kernziel müsse sein, wieder mehr Produktivität zu erreichen: „Wir müssen das System leistungsfähiger machen“, so Wansleben. In Deutschland brauche es Bürokratieabbau und mehr Freiheit für diejenigen, die unternehmen wollen – und: „Wir brauchen beim Thema Green Deal weniger Drangsalierung und Vorschrift als Ertüchtigung und Mutmachen.“