Die Industrie klagt branchenübergreifend über schlecht gefüllte Auftragsbücher, die Stimmung ist miserabel. Aus den USA droht Ungemach. Und in Deutschland bleibt es vorerst bei der politischen Hängepartie. Nun ist Durchhaltevermögen gefragt. Und Unternehmertum. Trotz allem.
„Schlimmer geht nimmer“ hatte DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben Ende Oktober attestiert – er meinte die aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland, die mangelhafte Kommunikation der Ampel-Regierung und unklare Perspektiven für die Unternehmen. Nur wenige Tage später machte der Hauensteiner Unternehmer und HDSL-Vorsitzende Carl-August Seibel seinem Ärger Luft: Die Rahmenbedingungen in Deutschland, sagte er im Interview mit schuhkurier, seien nicht einfach. Der politische Zickzack-Kurs der Bundesregierung nerve ihn. Und dann seien da noch die zunehmende Bürokratie und aufwändige Gesetzesvorhaben wie die europäische Lieferkettenrichtlinie und die Entwaldungsverordnung – das alles führe bei vielen Unternehmen schlicht zur Überforderung. Hinzu kommt – siehe oben – ein Mangel an Aufträgen, quer durch alle Branchen.
Inzwischen haben sich einige Rahmenbedingungen erheblich verändert. In den USA wurde ein Präsident gewählt, der seine ’Make America Great Again‘-Agenda in den kommenden Jahren konsequent weiterverfolgen dürfte – mit erheblichen Auswirkungen auch für deutsche Unternehmen. Noch sei unklar, was konkret auf die Schuhhersteller zukommt, erklärt der Industrieverband HDSL auf schuhkurier-Anfrage. Fürchten müssen sie aber schmerzhafte Einfuhrzölle.
Einen Tag nach der US-Wahl kollabierte die Ampel-Regierung mit dem Ergebnis, dass nun wohl eine Hängepartie folgen wird, was Gesetzesvorhaben (und die dringend benötigte Entlastung der Unternehmen) sowie die Amtsübernahme einer neuen Regierung angeht. Das alles sieht nicht gut aus und fühlt sich auch nicht gut an. Viele Unsicherheiten werden bleiben. Für Carl-August Seibel steht aber außer Zweifel, dass nun – einmal mehr – die Stunde der Unternehmerinnen und Unternehmer schlägt. „Dies ist ein schönes Land“, sagt der Firmenchef. „Wir können nicht alle davonlaufen, die Unternehmer müssen jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen.“ Das ist auf jeden Fall die richtige Einstellung.