sk: Herr Dr. Benner, was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Herausforderungen, denen sich unsere Branche in den nächsten Jahren zu stellen hat?
Dr. Dominik Benner: Ich denke, dass das Hauptproblem der Branche der stagnierende Umsatz bei geringen Margen ist. Im Schnitt erzielen Händler 2 bis 4% Umsatzrendite, das kann man wunderbar im Bundesanzeiger nachlesen. Und es ist ein einfaches Gesetz der Betriebswirtschaft, dass Sie bei gleichen Umsätzen und steigenden Kosten Probleme bekommen. Ein Umsatzwachstum ist nicht zu erwarten. Und die Kosten werden steigen: Personalkosten kann man kaum senken, im Gegenteil. Energiekosten steigen und weitere Einkaufsvorteile sind auch nicht in Sicht. Daher kann man nur eines tun: Neue Kunden gewinnen und Kosten flexibilisieren. Das fängt beim Personalplan an, geht über Umsatzmieten im Mietvertrag weiter und endet beim Leasing von Gegenständen, um nicht mehr zehn Jahre daran gebunden zu sein. Auch die Umstellung auf LED ist ein klasse Weg, um alte Lichtanlagen gegen neue mit 50 bis 70% Ersparnis auszutauschen. Das rechnet sich nach zwei Jahren!
Eine durchaus funktionierende Variante ist die ’Grüne Wiese‘, die an vielen Standorten erfolgreich besetzt ist. Da gibt es einen Immobilienmarkt mit vielen Leerständen. Allerdings stehen dieser Entwicklung durchaus berechtigte Restriktionen durch die Städte im Weg.
Ich bin sehr sicher, dass es den Schuhhandel, wie es ihn heute gibt, in zehn Jahren nicht mehr geben wird. Das sehe ich schon kritisch, weil Stammkunden weniger werden, gute Flächen teuer bleiben und Umsätze online abwandern. Aber gute Leute und gute Konzepte, die wird es immer geben. Auch im Schuhhandel!
sk: Gerade in der Schuhbranche sind Familienunternehmen noch weit verbreitet. Welche Stärken haben hier die Familienunternehmer?
Dr. D. B.: Glaubt man den Wissenschaftlern, dann sind Familienunternehmen im Schnitt erfolgreicher und haben bessere Kapitalquoten. Daran glaube ich auch. Meist hat der Erfolg drei Gründe: Erstens werden Familienunternehmen nachhaltiger geführt. Man macht als haftender Unternehmer nicht einfach mal 30 Filialen auf, nur um kurzfristiges Umsatzwachstum im Quartals-Reporting zu erreichen. Zweitens ist ein Familienunternehmen vergleichsweise unbürokratisch. Mitarbeiter erhalten beispielsweise bei Bedarf Sonderleistungen wie Privatkredite, was es in Konzernen oft nicht gibt. Drittens ist die Fluktuation deutlich geringer und es erfolgen weniger Umstrukturierungen. Wenn Sie im Konzern jedes Jahr reorganisieren, versteht niemand mehr, was er machen soll.
Das vollständige Interview mit Dr. Dominik Benner lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 10, die noch vor der GDS erscheint.