Von der Angestellten zur Inhaberin
Das zeigt: Glück Schuhe & Taschen ist eine Institution in Währing. Dass diese bis heute in dieser Form Bestand hat, ist vor allem der Vorbesitzerin zu verdanken. Die wollte das Geschäft verkaufen und hatte auch einen Interessenten gefunden. Doch der wollte dem Personal kündigen, darunter der seit 24 Jahren beschäftigten Doris Stöger. Für die Vorbesitzerin war das keine Option, erzählt Stöger: „Meine Vorgängerin wollte nicht, dass das Personal entlassen wird. Der Laden sollte in guten Händen sein, bei jemandem, der ihn wertschätzt und vernünftig fortführt.“ Dann kam die Idee auf, dass Stöger das Geschäft übernehmen könnte. Ihre Schwester konnte ihr bei der Buchhaltung helfen, sodass sie sich zu dem Schritt in die Selbstständigkeit in der Lage sah. Die Übergabe erfolgte im April 2016 und die heute 57-Jährige steht nun mit einer ebenso erfahrenen Mitarbeiterin im Laden, entscheidet bei Hausbesuchen der Lieferanten, welche Schuhe geordert werden, und berät die Kundinnen. Auch bei der Order will Stöger konsequent bei den Modellen bleiben, für die der Laden seit jeher steht. Alle Schuhe und Taschen im Laden sind aus italienischer Fertigung. Und sie will nur die Schuhe verkaufen, hinter denen sie ehrlich steht. Das bedeutet vor allem eines: „Für mich ist am wichtigsten, dass alles aus Leder ist. Es ist atmungsaktiver und sieht beim Tragen ganz anders aus als Kunststoffschuhe. Die werden zwar auch immer besser, aber man merkt den Unterschied immer noch, davon bin ich überzeugt.“ Die Vertreter, die ihre Schuhe vor Ort zur Order anbieten, würden bereits wissen, dass sie die Schuhe mit Synthetikanteil gar nicht erst aus dem Koffer holen müssten. Wichtig ist Stöger dabei, dass sie die Schuhe direkt anprobieren und das Material fühlen will. „Ich schlupfe in alle Schuhe rein, die mir flach genug sind, und fühle bei den anderen, ob der Schuh so gemacht ist, wie ich ihn mir vorstelle. So kann ich den Lieferanten auch Feedback geben. Ich will nur die Schuhe verkaufen, die ich auch selbst gut finde.“
Wenn sie sich inspirieren will, fährt sie zur Münchener Messe Essenz. Doch vor allem setzt sie auf die Marken, denen sie vertraut, wie Donna Soft, Norton und Lorbac. Diese hätten sich bewährt und seien noch immer besser gewesen als jede Neuentdeckung. Besonders wüssten ältere Frauen die italienischen Lederschuhe zu schätzen. Die Stammkundinnen sind meist 40 Jahre alt und älter. „Es ist natürlich eine Geldfrage. Und die jüngeren tragen vor allem Sneaker. Aber je nach dem, in welchem Job junge Erwachsene einsteigen, müssen sie auch angezogener sein und kommen dann zu uns“, erzählt Stöger. Preisdiskussionen gebe es schon, doch die Kundinnen würden verstehen, dass alles teurer wird, und die Inhaberin versucht, die Preiserhöhungen so gut wie möglich abzufedern. Neben Schuhen hat das Geschäft in Wien-Währing auch Taschen im Angebot. Das Thema wurde in letzter Zeit jedoch zurückgefahren. Im Taschenbereich sei die Bereitschaft, Geld auszugeben, noch niedriger gewesen. Andere Artikel wie Mode, Accessoires oder gar italienische Feinkost kommen für sie nicht in Frage: „Bei uns gibt es nur Schuhe und Taschen. Ich könnte mir das gar nicht vorstellen. Ich hatte eine Kollegin, die in ihrer Boutique auch Bier verkauft. Aber das gehört für mich nicht zusammen. Die Stammkunden wollen das, wofür der Laden steht.“ Auch da will sie mit ihrem Geschäft einen konsequenten Weg gehen.