Die Wurzeln der Sportschuhmarke Zeha Berlin reichen mehr als 100 Jahre zurück. Einige Jahre nach der Wende wurde das Brand neu aufgestellt und hat mit Retro-Styles eine große Fangemeinde aufgebaut.
18.01.2024
Barbara Jäger
1 Minute
Zugang wählen und weiterlesen:
Noch kein Abo?
– Alle Artikel lesen – Alle ePaper lesen – Alle Newsletter erhalten
Keine Ausgabe verpassen: Alles aus dem Shoe-Business - kritisch, tiefgründig und vielseitig. 100% Branchenwissen für Ihren Erfolg im Geschäft mit Schuhen. Gedruckt oder als ePaper + alle Inhalte der Website.
Die Filiale am Prenzlauer Berg wirkt wie eine Reise in die Vergangenheit: Hier erinnern alte Sportgeräte an die DDR-Zeit. (Foto: Zeha Berlin)
Es war einmal eine Sportschuhmarke, die hieß Zeha. So könnte die Geschichte der über 100 Jahre alten Marke anfangen, die 1897 von Carl Häßner im thüringischen Weida gegründet wurde. Die nach den ausgesprochenen Initialien Häßners benannte Firma spezialisierte sich nach dem 1. Weltkrieg auf handgearbeitete Sport- und Fußballschuhe und avancierte bald zu der von Sportlern meist getragenen Schuhmarke der Region. Zu Zeiten der DDR brachte es der unter VEB Spezialsportschuhe Hohenleuben eingetragene verstaatlichte Betrieb bis zum offiziellen Ausrüster der DDR-Olympiamannschaft. Ab 1960 trugen alle DDR-Athleten in rund 60 Disziplinen Zeha. Die handgemachten Sportschuhe fanden auch international Anerkennung. Doch nach der Wiedervereinigung übernahm die Treuhand den Betrieb, der dann schließlich Konkurs anmelden musste. Die Produktion wurde 1992 eingestellt und Zeha verschwand praktisch von der Bildfläche. Zehn Jahre später fielen dem Berliner Alexander Barré eines Tages ein Paar alte Zeha-Schuhe in die Hände und er beschloss, der DDR-Sportschuhlegende neues Leben einzuhauchen. Im Heimatmuseum Hohenleuben fand er alte Schuhe, Leisten, Lederschäfte und Produktkataloge. Die Idee des Zeha-Revivals war geboren. Nachdem Barré sich die Markenrechte gesichert hatte, gingen 2003 wieder die ersten, neu aufgelegten Zeha Berlin-Paare über die Tresen. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn die Fußball WM 2006 in Deutschland bescherte Zeha ein Comeback. Als Hommage an den Gründervater entwarf Zeha eine Carl Häßner Kollektion. Die WM-Kollektion im Retro-Style der 50er Jahre erlebte einen riesigen Hype, der bis heute anhält und das Label zur Kultmarke gemacht hat.
Jeder Zeha-Shop erzählt eine Geschichte
Die Zeha-Berlin Kollektion umfasst Sneaker, Urban Classics Schuhe, Leder-Accessoires und Baumwollsocken. Alle Produkte werden handwerklich in Europa hergestellt und landesweit in Multilabelgeschäften sowie im markeneigenen Online-Store verkauft. Das Besondere sind aber die drei eigenen Zeha-Läden, die das Label in Berlin unterhält. Als individuelle Concept Stores hat jeder Shop sein eigenes Storytelling, das ein ganz besonderes Einkaufserlebnis bieten und den Kunden das ehemalige Ostberlin und den einzigartigen Charakter der Hauptstadt näherbringen soll. So ist die Filiale im ehemaligen Ostberlin-Stadtteil Prenzlauer Berg mit DDR-Sportgeräten einer Original-Turnhalle der 50er-Jahre nachempfunden. Hier dienen alte Sprossenwände und Turngeräte wie Bock, Pauschenpferd, Barren und Kasten mit dem typischen Lederbezug als Warenträger. Die Kunden probieren neben einem originalen DDR-Übungsfahrrad die Schuhe an. Die Artefakte sowie Bilder und Originalschuhe aus verschiedenen Sammlungen machen den Raum zu einer Art Hall of Fame der DDR-Sportgeschichte und den Besuch zu einer gedanklichen Zeitreise. Die Filiale in Kreuzberg wiederum soll an eine alte Schuhmacher-Werkstatt erinnern. Hier bestimmen Requisiten wie alte Leisten, Werkzeuge, Gerätschaften, Schemel und Arbeitsbänke die Szenerie. Das Ursprüngliche als auch das Handwerkliche stehen im Mittelpunkt. Im Store in Schöneberg bestimmt das Retro-Wohnzimmerambiente der 50er-Jahre das Bühnenbild mit Insignien wie Nierentische, Tüten-Leuchten, ausgestellte Möbelbeine unter schlanken Cocktailpolstern, Original String-Regale, grazile Blumentopfständer und die ersten massentauglichen Fernsehgeräte. Die Läden sind ein ganz persönlicher Berührungspunkt zwischen Zeha Berlin und seinen Kunden, der Emotionen wecken soll, die sich nicht durch das Shoppen im Internet ersetzen lassen. So endet die Geschichte mit „und da sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute“.
Alte Möbel und der Duft von Leder: Der Zeha Berlin-Store in Kreuzberg ist wie eine alte Werkstatt gestaltet. (Foto: Zeha)
Ein Wohnzimmer im Stil der 50er-Jahre: Der Store in Schöneberg (Foto: Zeha Berlin)