Frau Euler, warum würden Sie einer Verkäuferin zur Entspannung Yoga empfehlen?
Als Verkäuferin habe ich den ganzen Tag mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun, mit ihren Stimmungen und Bedürfnissen – das fordert mental natürlich sehr. Die eigene gute Laune dabei nicht aus den Augen zu verlieren, ist bei manchem Kundenkontakt eine große Herausforderung. Außerdem bin ich als Verkäuferin den ganzen Tag auf den Beinen, räume auf, muss mich bücken – nicht nur die Füße, sondern der ganze Körper wird jeden Tag beansprucht. Yoga hilft hier, den Körper auf gesunde Art und Weise durchzubewegen, um zum Beispiel Rückenschmerzen vorzubeugen und um auf geistiger Ebene zu entspannen.
Kann ich Yoga auch machen, wenn ich nicht sportlich und gelenkig bin?
Yoga hat nichts mit sportlich oder gelenkig zu tun, auch wenn wir gerade viele solcher Werbebilder sehen oder Yogalehrer, die sich und ihre Biegsamkeit gerne zur Schau stellen – das ist nicht Yoga. Jeder kann in jedem Alter mit Yoga beginnen – sogar im Rollstuhl sitzend oder bettlägerig. Das ist ja das Tolle an Yoga.
„Puuh, endlich hat sich ein besonders anstrengender Kunde verabschiedet.“ Gibt es Übungen, um den aufgestauten Ärger abzubauen?
Generell hilft hier, sich bewusst zu machen, dass der Ärger eines anderen nichts mit einem selbst zu tun hat. Kann man dies gedanklich etablieren, ist schon mal Abstand gewonnen. Das hat nichts mit Emotionslosigkeit zu tun. Ich bin einfach gelassen – Ärger oder Unfreundlichkeit erreicht mich so nicht. In der Situation ist die beste Methode erst einmal tief ein- und auszuatmen. Falls schon der nächste Kunde vor mir steht, kann helfen, den „anstrengenden“ Kunden einfach innerlich noch mal zu verabschieden, wenn möglich mit Wohlwollen, denn wer weiß, was ihn so anstrengend gemacht hat? Wir sind auch nicht immer perfekt. Falls ich einen Moment Zeit habe, kann ich während der Ein- und Ausatmung mich wieder sammeln, in dem ich mich ganz auf das Hier und Jetzt konzentriere. Wie fühle ich mich gerade, welche Geräusche sind um mich herum, welche Menschen, welche Farben? Abschließend darf ich mir innerlich selbst ein wohlwollendes Lächeln schenken – schließlich habe ich gerade eine schwierige Kundensituation gemeistert.
Welche weiteren Entspannungstipps – jenseits von Yoga – haben Sie für Verkäuferinnen?
Frische Luft abseits von Trubel. Das kann der kleine Spaziergang in der Mittagspause jenseits der Einkaufsstraße sein oder im angrenzenden Park auf einer Bank die Füße hochlegen. Beide Varianten am liebsten ohne Smartphone – nur du, dein Atem und die frische Luft. Das macht den Kopf frei und der Sauerstoff mobilisiert ohne unser Zutun den Körper.
Alles andere muss jeder für sich ausprobieren: Autogenes Training, Meditation oder lieber etwas Forderndes wie Squash kann genauso den Einzelnen entspannen wie Mandalas ausmalen oder den Garten umgraben. In der Freizeit darf Ehrgeiz, Optimierung und Perfektion wegfallen – Freude mit sich und dem Leben ist das höchste Gut. Dann ist auch der Arbeitsalltag leichter.