Im September startete ein neuer Webshop, sodass die Marke nach einigen Startschwierigkeiten jetzt den Neustart wagt. Dabei wurde auf eine gute User-Experience geachtet. Es gibt Videos aus der Produktion, Blogeinträge und einen Größenfinder in Form eines Fragebogens, der effektiv die Retourenquote auf unter 10% drückt. Die Bestellungen kommen ungefähr zu je einem Drittel aus der EU (vor allem Niederlande und Flandern, Skandinavien, Irland und Deutschland), den USA und Großbritannien. „In Großbritannien sind wir besonders begehrt. Gäbe es keinen Brexit, würden wir dort sicherlich boomen“, freut sich Kuijpers über die Nachfrage. Die an britische Ästhetik angelehnten Modelle würden dort auch besonders gut ankommen, sind sie mit ihren kleinen Anpassungen doch eine erfrischende Abwechslung. „Wir haben noch keine großen Volumina, aber wir verkaufen täglich Schuhe“, fasst Kuijpers die Lage zusammen. Das Ziel ist, 2026 profitabel zu werden. Ein realistisches Ziel, schätzt es der Gründer ein, auch wenn es bis dahin natürlich noch viele Unwägbarkeiten gebe.
Pop-Ups bringen Aufmerksamkeit und Umsatz
Um die Marke im Heimatmarkt Belgien bekannter zu machen, arbeitet Lennertson mit Pop Up-Stores. Zurzeit wird noch bis Ende März einer in Antwerpen betrieben. Der Erfolg habe die Gründer selbst überrascht, so Kuijpers: „Bei unserem ersten Pop-Up-Store, den wir für einen Monat in Gent eröffnet hatten, dachten wir, es wäre nur ein Marketingtool. Aber die Abverkäufe waren wirklich sehr gut und besser als im selben Zeitraum online.“ Bei der Zusammenarbeit mit Wholesale-Partnern habe er einige gute Partner gefunden, wobei sich klassische Schuhgeschäfte im Vergleich zu Boutiquen und Concept-Stores bisher schwer mit den Schuhen getan hätten. „Oft werden Schuhgeschäfte sehr altmodisch geführt und Händler trauen sich nicht, neue Dinge auszuprobieren“, beschreibt er aus seinen Gesprächen mit Händlern in den Niederlanden und Belgien. „Zwei Straßen von unserem Pop-Up entfernt gab es einen Händler, der unsere Schuhe nicht wollte, weil er sie für nicht verkäuflich hielt. Sie verkauften sich jedoch direkt sehr gut, als wir den Pop-Up eröffneten. Viele Kunden haben uns gesagt, dass sie froh sind, mal ein Geschäft gefunden zu haben, in dem sie interessante Produkte finden. Es sind schwere Zeiten, aber ich glaube, gerade dann muss man neue Dinge ausprobieren, um neue Kunden anzulocken.“ Der Fokus liegt daher weiter auf D2C, wobei die Gründer immer nach Handelspartnern suchen und in den Pop-Ups auch stark für sie werben. Bei den meisten Modellen gebe es eine Handelsspanne von 2,6. Gerade in den niederländischen Großstädten würden viele Geschäfte aber sogar eine Handelsspanne von 3,1 erwarten. Marketing über physische Präsenz zu machen, sei extrem wichtig, auch weil Social-Media-Marketing immer teurer werde. Organische Reichweite gebe es kaum noch bei Instagram. Bei Tiktok sehe das noch etwas anders aus, doch da fehle die Zielgruppe für die teuren Lederschuhe. Eine Zielgruppe, die da ist, aber nicht bedient wird, sind Frauen, bedauert Kuijpers: „Wir haben oft Paare in unseren Pop-Up-Stores und die Frauen sagen uns, dass sie unsere Styles auch gern tragen würden. Wir würden die Nachfrage gern erfüllen, aber im Moment wäre es noch ein zu großes Investment, denn es würde produktionstechnische Entwicklungen und eine neue Strategie für unsere Marke und unser Marketing bedeuten.“ Doch auch hier gebe es noch die Möglichkeit, zu wachsen.