Weiterhin schraubt Igedo Exhibitions am Format der Nachhaltigkeitsmesse Neonyt, die sie als Lizenznehmer seit 2023 organisiert. Wurde die räumliche Trennung zur Fashn bei der letzten Ausgabe im Januar 2024 noch aufgelöst, finden die beiden Messen dieses Mal komplett unabhängig voneinander statt. War die Fashn nach wie vor im Areal Böhler lokalisiert, zog die Neonyt in den Bilker Bunker näher an die Stadtmitte. Näher an den Menschen sollte die Messe auch sein, die sich mit dem Umzug teilweise den Konsumentinnen und Konsumenten geöffnet hat. Für diese stand die Messe jeweils ab 15 Uhr offen. Sie konnten die Gesichter hinter den Marken kennenlernen, vereinzelt Samples am Stand kaufen und am Fashion Aware Club teilnehmen. Dort gab es zum Beispiel Workshops über das Repararieren und Färben von Kleidung, um ihr neues Leben einzuhauchen. In der Branche geht um, dass das Thema Nachhaltigkeit bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern in den letzten Jahren – zumindest, wenn es um Schuhe geht – an Stellenwert verliert. Diesen Eindruck hatte auf der Messe auch Telmo Fernandes. Er ist Business Manager der portugiesischen Schuhmarke New.ve, die sich auf vegane Schuhe spezialisiert hat und hinter der ein Schuhproduzent mit über 30 Jahren Erfahrung steht. „Als wir mit der Marke vor drei Jahren angefangen haben, war Nachhaltigkeit das Wichtigste. Jetzt ist es nur noch an dritter Stelle hinter dem Aussehen und dem Preis“, so Fernandes. Die Preislagen zwischen 100 und 150 Euro müssten trotz Inflation gehalten werden, um bei der gestiegenen Preissensibilität verkäuflich zu bleiben. Bei der Kalkulation helfe, dass die Produktionsstätte zum Unternehmen gehört. Außerdem sei der Markt an nachhaltigen Schuhen mit vielen Wettbewerbern überladen. Um für sich eine eigene Nische zu finden, stellte Fernandes für New.ve für Frühjahr/Sommer 2025 auf der Neonyt eine neue Barfußschuh-Kollektion vor: „Es gibt viele nachhaltige Brands und viele Barfußschuhmarken. Aber Marken, die nachhaltige und modische Barfußschuhe anbieten, gibt es nicht so viele. Das wollen wir deswegen immer weiter ausbauen.“
Nachhaltigkeit durch Langlebigkeit
Eine ebenso junge Marke ist Lennertson aus Belgien, die Anfang 2022 mit einer Kapsel im Online-Shop angefangen hat, sich nach einer erfolgreichen Investorensuche breiter aufstellen will und die F/S 25-Kollektion auf der Neonyt ausstellte. Die Marke will Herrenschuhe herstellen, die Männer zu Anlässen mit formeller Kleidung tragen können, die mit ihrer Rugged-Ästhetik aber auch im Alltag zu Jeans gut passen. Mit einer Herstellung in Spanien und Portugal, pflanzlich gegerbtem Leder und rahmengenäht sollen die Schuhe viele Nachhaltigkeitsaspekte erfüllen. Vor allem aber sollen sie lange halten. Gründer Robin Carlo Kuijpers erklärte zur Debatte um den Stellenwert von Nachhaltigkeit: „Ich bin davon überzeugt, dass es eine große Gruppe an Menschen gibt, denen Nachhaltigkeit wichtig ist. Wir wollen aber nicht nur mit Nachhaltigkeit überzeugen, sondern vor allem mit Langlebigkeit. Wenn Leute wissen, dass sie den Schuh lange tragen und auch gut reparieren lassen können, dann ist das für sie persönlich ein Argument, die Schuhe zu kaufen. Es ist aber gleichzeitig auch nachhaltig, Schuhe lang zu tragen.“ Auch Sabine Moormann von 8Beaufort.Hamburg sieht in ihrer Kundschaft kein geringer werdendes Interesse an Nachhaltigkeit. Dennoch präsentierte sie auf der Messe ein Modell, das die Kollektion preislich unterhalb des bisherigen Angebots ergänzen soll. Bei diesem wurde neben den für die Marke typischen Segeltüchern auch Ziegenleder verwendet. „Wir sehen viel Potenzial bei jungen Menschen, die Interesse an unseren Themen haben, sich die Schuhe aber noch nicht leisten können“, begründete Moormann. Da habe es Bedarf für ein Einstiegsmodell gegeben.