Herr Wilkens, wie würden Sie das Jahr 2023 aus Skechers-Sicht zusammenfassen?
Christoph Wilkens: Ich kann nur sagen, dass wir sehr zufrieden sind. Wir bieten unfassbar viele neue Entwicklungen an. Wir gehen, etwa mit unseren neuen Fußballschuhen, stärker in den Performance-Sektor hinein. Man sieht Skechers gerne als Familienmarke, was wir sicherlich auch sind – aber wir bewegen uns weiter. Zufrieden macht mich, dass wir alle getroffenen Vereinbarungen eingehalten haben. Die jetzige Marktlage und die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland gestalten sich herausfordernd. Was ich nicht verstehe, ist, dass schon Mitte Dezember bei bestem Winterwetter im Handel Rabatte bis 50% plakatiert wurden. Argumentiert wird gerne, man müsse Nachlässe gewähren, weil die Mitbewerber das auch tun. Aber ganz ehrlich, das kann ich nicht nachvollziehen. Der Endverbraucher fragt sich doch, warum er noch regulär kaufen soll.
Welche Vereinbarungen sind es konkret, die Sie eingehalten haben?
Wir liefern sehr gute Produkte, die sich gut verkaufen. Wir sind Margenbringer. Und während man uns traditionell eher dem preiswerten Segment zugeordnet hat, sind wir dem längst entwachsen. Wir lagen in den ersten neun Monaten 2023 im Schnitt bei VK-Preislagen um die 89 Euro. Das hat auch mit den Produktveränderungen und -entwicklungen zu tun, die wir in den letzten Jahren vollzogen haben. Es geht in die richtige Richtung. Im Dezember waren wir auf der ANWR-Messe Meetnbuy. Dort waren einige Besucher überrascht, welche Produkte wir mittlerweile anbieten. Als wir vor 24 Jahren in Deutschland gestartet sind, hat man uns in eine bestimmte Kiste gesteckt, wir hatten anfangs auch weniger spannende Produkte. Das war nicht ganz einfach. Aber wir haben zugehört und uns weiterentwickelt. Neben den Produkten ist natürlich auch unsere Marketingpräsenz von enormer Wichtigkeit. Wir sind weltweit gut sichtbar. Dieses Konzept geht auf und davon profitieren auch unsere Partner im Markt. Wenn ich also sehe, wo wir zu Beginn 2024 stehen, bin ich sehr zuversichtlich – trotz der schwierigen Marktbedingungen.
Welche Produktveränderungen sind für Sie besonders wichtig?
Ich glaube, es gibt keine Company, die mehr und vielfältigere Produkte entwickelt als wir. Ich bin immer wieder selbst begeistert, wenn ich in den USA bin und die neuen Schuhe sehe. Nehmen wir unsere Skechers Hands Free Slip-ins. Damit ist uns eine echte Innovation gelungen. Seit einigen Jahren arbeiten wir an diesem Konzept – einen Schuh, in den man einfach hineinschlüpft, ohne sich bücken zu müssen. Mit den Skechers Hands Free Slip-ins, die vor drei Jahren zunächst in den USA gestartet sind, sind wir extrem erfolgreich. Die Verbraucherinnen und Verbraucher lieben das Thema.
Kommen wir zum Performance-Sektor. Fußballstar Harry Kane von Bayern München ist das Testimonial für den neuen Skechers-Fußballschuh. Wie kam es zu dem Schritt in dieses Segment?
Nachdem wir uns international als Freizeit- und Casualmarke sehr gut entwickelt haben, stand fest: Nun wird der Schritt in den Sportbereich erfolgen. Das ist kein Thema, das wir nebenbei verfolgen. Unser Ziel ist es, uns ganz professionell und mit viel Einsatz in diesem Segment zu entwickeln. Das bezieht auch unsere Partner im Handel ein. Die Skechers-Fußballschuhe, mit denen Bayern-Star Harry Kane gerade die Torschützenliste der Bundesliga anführt, sind ein echtes Highlight für uns. Diese Schuhe wird es bewusst nicht überall geben. Wir schauen uns jeden potenziellen Händler im Vorfeld genauestens hinsichtlich seines Auftritts, seines Sortiments und seiner Preislagen an. In der ersten Saison sind es nur vier Händler in Europa, die unsere Fußballschuhe führen. Ich weiß, dass manche Unternehmen enttäuscht sind, weil sie die Schuhe aktuell nicht bekommen. Aber wir halten uns an unsere Vereinbarungen. Wenn die Fußballsaison vorbei ist, kann man die Dinge neu bewerten. Aber an unseren Vorgaben werden wir festhalten, um dieses neue Segment zu schützen und auf hohem Niveau weiterzuentwickeln.
Welche Vorgaben sind Ihnen bei den Fußballschuhen besonders wichtig?
Diese Performance-Artikel gehen zunächst einmal nur an ausgewählte Kunden. Schuhhändler, die Sportabteilungen haben, bitten wir um Geduld. Wir müssen das Thema an den richtigen Standorten platzieren, um es zu entwickeln. Gleiches gilt übrigens für das Thema Basketball, das wir auf der Agenda haben. Wir werden damit ganz behutsam und Schritt für Schritt vorgehen.
Ist auch die normale Skechers-Kollektion geclustert, kann also nicht jeder Händler alle Produkte ordern?
Richtig. Nicht jeder Händler bekommt alles. Wir achten darauf, dass in den Geschäften die richtigen Modelle und Preislagen platziert werden. Dafür haben wir jeweils zwei Vertriebsmitarbeiter in den Gebieten und sind auf allen regionalen Messen präsent. Das Wichtigste ist, dass der Außendienst nicht allein den Händler kennt, sondern auch dessen Kundschaft. Er muss wissen, wer in den Laden geht. Wir sehen uns weiterhin als Partner. Jeder Händler kann mich jederzeit anrufen, ich habe ein offenes Ohr für jegliche Anregungen. Was uns sehr freut, ist, dass aufgrund unseres Erfolges in den letzten Jahren auch Händler zurückgekommen sind, die zwischenzeitlich nicht mit uns zusammengearbeitet haben. Das ist ein großes Kompliment an die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Marke Skechers.
Wenn man auf die Füße der Menschen schaut, sieht man viele der Generation 50+ in Skechers-Schuhe. Die jungen Konsumenten oder Jugendlichen kaufen Skechers eher nicht. Wie wollen Sie diese Kundinnen und Kunden erreichen?
Wir sind traditionell im Kinderbereich stark. Mit Beginn des Jugendalters tut sich dann eine Lücke auf. Unsere Kernzielgruppe ist sicherlich Ü40. Das verändert sich aber gerade. Klar, wir sind noch nicht bei den 16- und 17-Jährigen. Aber mit unseren Marketingaktivitäten auch auf Social Media-Kanälen sind wir auf einem guten Wege, die jüngere Generation mit unseren Produkten zu erreichen. Die Sängerin und Influencerin Vanessa Mai macht einen großartigen Job für uns und spricht eine Zielgruppe ganz unterschiedlichen Alters an. Mein Eindruck ist, dass man inzwischen mehr Jugendliche in Skechers-Schuhen sieht. Unsere Künstler-Kollaborationen wie z.B. Limited Editions mit dem amerikanischen Rapper und Schauspieler Snoop Dogg, mit James Goldcrown oder auch dem belgischen NFT-Künstler VEXX haben zu großer Aufmerksamkeit geführt. Insbesondere unsere neuen Divisions aus dem Skechers-Performance-Bereich werden die jüngere Generation erreichen.
Was wünschen Sie sich vom Handel?
Mehr Offenheit, mit Skechers gemeinsam neue Themen anzugehen.