schuhkurier: Sie haben Engelhorn in Luxemburg als Fashion-Universum gestaltet, in dem Sonne, Mond und diverse Planeten die einzelnen Bereiche repräsentieren. Wie kommt man auf so eine Idee?
Lisa Beck: Wir haben schon immer den Ansatz gehabt, Gestaltungskonzepte ganzheitlich anzulegen. Die Grundlage, um solche Konzepte zu entwickeln, ist die Vielfalt an Menschen und Kompetenzen, die wir in unserem Atelier versammelt haben. Bei uns arbeiten 70 Fachleute: Architekten und Innenarchitektinnen, Produktdesigner und Kommunikationsdesignerinnen, Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler. Dadurch haben wir eine umfassende Know-how-Struktur, die es uns gestattet, komplexe raumgestaltende Fragen ganzheitlich zu lösen.
Was war die spezifische Aufgabenstellung bei Engelhorn Luxemburg?
Die Anforderung war hier, einen Raum als erlebbare Bühne für Kunden und Mitarbeitende zu schaffen. Er sollte sowohl dem Produkt gerecht werden als auch die Imagination fördern und den Menschen ein Erlebnis ermöglichen, das über den reinen Kauf hinausgeht. Über so ein Erlebnis spricht man natürlich auch anders, als nur zu sagen: „Ich habe mir dort ein T-Shirt gekauft.“ Damit wir ein solches Retailerlebnis abseits des Gelernten und Erwartbaren entwickeln konnten, haben wir die Zukunftsbrille aufgesetzt.
Wie läuft so ein Entwicklungsprozess genau ab?
Unsere Fachleute gehen mit unserem Kunden in den Dialog und konzipieren auf dieser Grundlage mindestens drei strategisch-gestalterische Ansätze; denn wir gehen grundsätzlich davon aus, dass es nicht die eine richtige Lösung gibt, es muss immer mehrere geben. Dann werden die entsprechenden Ideen und Konzepte auf den Prüfstand gestellt und hinterfragt. So entwickelt sich ein Ausleseprozess, der schnell zeigt, welche Ideen die stärksten sind. Diese werden dann auf einem bestimmten Level ausgearbeitet und bewertet.
War bei Engelhorn auch der Einkauf involviert?
Da nur der Einkauf definieren kann, womit der jeweilige Raum später gefüllt und bespielt wird, war der Einkauf von Anfang an mit dabei. Wir hatten ein Team, das zusammen mit dem Einkauf die Flächenzuordnung geplant hat, parallel wurden die einzelnen Planeten und ihr jeweiliges Markenportfolio identifiziert. Außerdem musste aufgrund des engen Zeitplans – wir hatten von der Erstbegehung bis zum Eröffnungstag ein knappes Jahr – auch schon sehr frühzeitig geordert werden.
Wie sind Sie bei der Zuordnung der Planeten vorgegangen?
Wir haben einerseits betrachtet, welche Oberflächenstruktur und welche Ausstrahlung ein Planet hat, andererseits haben wir geschaut, welche Verbindung wir als Menschen zu den einzelnen Planeten haben. So haben wir beispielsweise der Venus mit ihrer femininen Oberflächenstruktur den Damenbereich zugeordnet. Der Mond mit seinen glitzernden Momenten und seiner luxuriösen Anmutung ist der passende Rahmen für das Luxussegment. Und der Saturn, den wir als kraft- und machtvoll wahrnehmen, ist die perfekte Bühne für den Premium-Herrenbereich und eine Whiskeybar.
Und die Schuhabteilung?
Da wir auf der Erde gehen, haben wir die Schuhabteilung der Erde zugeordnet und sie auch sehr irdisch und bodennah gestaltet. Sie hat mit ihrem klaren Zentrum, viel Tageslicht und einem bewussten Bezug zur Außenterrasse übrigens auch eine sehr hohe Aufenthaltsqualität, was die Anprobe auf der Fläche attraktiv gestaltet.