Auf schuhkurier-Anfrage bestätigt Görtz-Inhaber Bolko Kissling die Beendigung der Warenkreditversicherung durch Euro Delkredere und verweist auf interne Prozesse.
Betroffene Hersteller wollen sich nicht namentlich äußern. Einige schildern aber die Situation, wie sie sich aus ihrer Perspektive darstellt.
„Klar ist, eine vernünftige Absicherung muss her. Ohne diese würden wir nicht liefern“, betont ein Lieferant, der seit vielen Jahren mit Görtz zusammenarbeitet. Zwar habe man bislang immer rechtzeitig Zahlungen für gelieferte Ware erhalten. Irritierend seien aber Berichte anderer Hersteller über nicht bezahlte Lieferungen oder Meldungen, dass Lieferanten Ware aus sämtlichen Görtz-Filialen abholen ließen. „Es ist alles sehr undurchsichtig derzeit, die Informationen sind verwirrend“, so der Schuhanbieter. „Es gibt aber nach wie vor gute Standorte im Görtz-Portfolio. Wir müssen sehr genau abwägen, wie wir vorgehen werden, falls es keine Warenkreditversicherung mehr gibt.“ Das Verfahren der Vorkasse, das einige andere Lieferanten nutzen, berge Risiken. „In jedem Fall müssen wir als Schuhhersteller in Vorleistung gehen, Komponenten einkaufen und die Produktion finanzieren. Die Vorkasse-Zahlung erfolgt erst später, vor der Lieferung der Ware. Wir müssen also jetzt entscheiden, ob wir das Risiko zur kommenden Saison eingehen oder nicht.“
Ein anderes Unternehmen stellt gegenüber schuhkurier klar: „Wenn wir nach dem Ende der Absicherung durch Euro Delkredere weiter mit Görtz zusammenarbeiten sollen, muss es eine andere Art der Absicherung geben.“ Hier sei der Filialist in der Pflicht, sinnvolle Vorschläge zu unterbreiten. In den kommenden Wochen werde man entscheiden, wie man vorgehen werde. Finde sich kein gangbarer Weg, sei die Zusammenarbeit Ende dieses Jahres beendet. Der Vertreter eines weiteren Schuhherstellers schildert, dass Görtz in einem Schreiben eine alternative Lösung zugesagt habe, dabei jedoch noch nicht konkret geworden sei.
Nach schuhkurier-Informationen sind bislang die Warenlieferungen von bis zu fünf Schuhanbietern an Görtz über Euro Delkredere abgesichert. Das Dienstleistungsunternehmen übernimmt die Zentralregulierung bei gleichzeitiger kompletter Absicherung des Risikos der Zahlungsunfähigkeit für seine Kunden. Auf schuhkurier-Anfrage erklärte Euro Delkredere, zum Fall Görtz unter anderem vor dem Hintergrund der Vertraulichkeit keine Stellungnahme abgeben zu wollen.
Einer der befragten Lieferanten sieht die jüngsten Meldungen rund um Görtz auch in einem anderen Kontext als problematisch an: Zwar habe es ihn nicht überrascht, dass Euro Delkredere letztlich die Zusammenarbeit mit dem Schuhfilialisten beendet hat. „Aber die Situation ist für die Wahrnehmung der gesamten Branche schlecht.“
Der Hamburger Schuhfilialist steht unter Druck. Das Unternehmen sah sich zuletzt Vorwürfen ausgesetzt, vertraglichen Verpflichtungen nach der Übernahme mehrerer Filialen in Österreich nicht nachgekommen zu sein. Auch hat der Center-Vermieter ECE nach schuhkurier-Informationen 20 Görtz-Standorte gekündigt. Lieferanten beendeten bereits die Zusammenarbeit, weil gelieferte Ware nicht bezahlt wurde. Seit Juli ist der Görtz-Onlineshop nicht mehr aufrufbar.
Unterdessen setzt das Unternehmen auf neue Konzepte wie „Lifestyle“ mit einem Angebot aus Schuhen und Mode und „Lounge“ mit einer Vorauswahl an Ware, der Möglichkeit zum Bestellen und Nahversorgungscharakter. Ein neuer Standort mit „Lifestyle“-Konzept wurde im September in Bochum eröffnet. Geplant ist laut Bolko Kissling auch die erste Store-Eröffnung des angekündigten „Lounge“-Konzepts in Hamburg-Eppendorf am 12. Oktober.