I love shoes sprach mit Event-Experten Guido Schmitz. Er ist für Marketing und Vertrieb bei der Münchner Agentur Raum 33 zuständig, welche Händler zu den Themen Online-Marketing, Events und Storedesign berät.
Welche Rolle spielen Events im Modehandel?
Sie werden immer wichtiger. Allerdings muss man mit dem Begriff ’Event‘ sehr vorsichtig umgehen. Viele Händler denken, dass eine Luftballon-Verteilaktion bereits ein Event ist und wundern sich dann über mangelndes Feedback. Dabei muss jede Veranstaltung professionell vor- und nachbereitet werden.
Welche Arten von Events sind im Handel populär?
Modenschauen, Themenevents mit kleinem Catering, Verlosungsaktionen etc. lassen sich häufig relativ leicht in den normalen Verkaufsalltag integrieren und können eine sehr breite Zielgruppe erreichen. Bei Veranstaltungen, die für einen bestimmten Kundenkreis zumeist außerhalb der Öffnungszeiten organisiert werden, ist dagegen in der Regel der unmittelbare Kontakt höher.
Welche Aufgaben übernimmt das Verkaufspersonal bei Events?
Die Verkäufer sind sehr wichtig. Schließlich sind sie das Bindeglied zum Gast. Vor allem während der Veranstaltung sollte das Verkaufspersonal sich deshalb auf die Kunden konzentrieren können und nicht um andere Dinge wie den Getränkenachschub kümmern müssen. Auf jeden Fall sollte ein Händler seine Mitarbeiter vor und nach dem Event eng mit einbeziehen – sei es bei der Ideenfindung oder bei der Kundenbegleitung. Denn: Wer kennt seine Kunden besser? Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass für die Durchführung eines Events sicherlich professionelle Event-Agenturen sinnvoll sind, die sich um den reibungslosen Ablauf vor Ort kümmern, beispielsweise Catering, Einladungsmanagement und Technik. Hier steckt der Teufel nämlich oftmals im Detail.
Was sollte bei der Ankündigung eines Events im Geschäft beachtet werden? Reicht heutzutage eigentlich noch ein simples Plakat im Schaufenster?
Das hängt entscheidend von der Art des Events ab. Wen will ich erreichen? Ist es ein öffentlich oder exklusiv? Man sollte in jedem Fall vorab alle Kommunikations-kanäle prüfen – Newsletter, soziale Medien oder auch offline, etwa durch Flyer an der Kasse. Social Media eröffnen beispielsweise viele neue und zumeist kostengünstige Möglichkeiten. Auch während und nach der Veranstaltung können soziale Medien genutzt werden, etwa durch Videos von einer Modenschau, die ein Händler bei Youtube hochladen könnte.
Gibt es im Nachgang eines Events etwas Bestimmtes zu beachten?
Ein Event kann einen wichtigen Beitrag leisten, um aus Laufkunden Stammkunden zu machen. Voraussetzung dafür ist, dass die Kontakte und Feedbacks der Kunden für etwaige Folgeaktionen gesammelt werden und ein zukünftiger Kontakt z.B. über Newsletter möglich ist. Solche Follow-up-Aktionen können beispielsweise auch spezielle Rabatte beim nächsten Einkauf sein. Wichtig ist dabei, das Feedback möglichst schon während der Veranstaltung einzuholen. Das ist authentischer.
Welche Anfängerfehler sind typisch und wie lassen sich diese vermeiden?
Oftmals wird die Komplexität eines Events etwas unterschätzt. Daher sollte man immer frühzeitig mit der Planung beginnen. Und sich vor allem als erstes die Frage beantworten: Welches Ziel möchte ich mit meinem Event erreichen?
Findet ein Event am Abend statt, geht dies häufig mit längeren Arbeitszeiten und Mehraufwand für eingebundene Verkäuferinnen einher. Fällt dies in der Regel unter ’normale Überstunden‘?
Mehraufwand sollte sich auch für den Verkäufer lohnen. Ein gutes Kundenevent ist immer eine Chance, zum Erfolg des Unternehmens beizutragen. Das kommt letztendlich allen zugute.
Welche Events eignen sich Ihrer Meinung nach hervorragend speziell für den Schuhfachhandel?
Workshops sind – neben klassischen Modenschauen – eine schöne Idee. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Typberatung unter der Fragestellung ’Welcher Schuh passt am besten zu meinem Outfit‘? Das Thema Nachhaltigkeit in der Mode wird ebenfalls zunehmend wichtiger für die Kunden. Da gibt es ebenfalls interessante Ansätze für Veranstaltungen, beispielsweise kleine Info-Abende zu Zertfizierungen und Siegeln.
Ist es sinnvoll, sich als Verkäuferin auch im Bereich Eventmanagement zu schulen?
Ich denke, diesen Bereich sollte man eher Eventmanagern beziehungsweise – je nach Größe des Hauses – dem internen Marketing überlassen. Wichtig ist meiner Meinung nach eigentlich nur, dass die Verkäuferin für das Event begeistert und möglichst eng in das Prozedere einbezogen wird.