Zwei von drei Paar Schuhen werden in einem anderen Land verbraucht als in dem, in dem sie hergestellt wurden. Das geht aus Zahlen hervor, die die Organisatoren der Expo Riva Schuh analysiert haben.
Enrico Cietta, Vorsitzender des wissenschaftlichen Komitees der Messe, sieht drei wesentliche Aspekte der Veränderung im internationalen Schuhbusiness: die langsame, aber stetige Erholung der Weltproduktion nach der Pandemie, Chinas dominante, aber schrumpfende Rolle als Weltfabrik und aufstrebende Akteure, die die globale Produktionskette in ein multipolares System umgestalten, nachdem diese zwei Jahrzehnte lang ausschließlich von China dominiert wurde.
Enrico Cietta erklärt: „Während die Produktion aufholt, wenn auch langsamer als erwartet, sind die Exporte in die Höhe geschnellt und haben bereits neue Rekorde aufgestellt.“
Daten für das Jahr 2022 verdeutlichen laut Cietta die Konsumtrends, die China wie immer an der Spitze sehen, gefolgt – zum ersten Mal – von den Vereinigten Staaten, die Indien von seinem üblichen Platz auf der zweiten Stufe des Podiums verdrängen.
Betrachtet man die weltweiten Exporttrends, so wurde während der Pandemie ein weniger signifikanter Rückgang beobachtet. Die Exporte waren weitgehend stabil, denn während im Jahr 2020 rund 2,9 Mrd. Paar weniger gehandelt wurden als 2019, wurden auch 3,8 Mrd. Paar weniger produziert.
Die Branche stehe nicht vor einer Deglobalisierung, sondern vor einer Verschiebung in der Struktur der globalisierten Schuhproduktionsketten von einem unipolaren zu einem multipolaren System. China sei nach wie vor führend bei Produktion und Exporten, habe aber Marktanteile verloren, die stattdessen von neuen Akteuren übernommen werden. Indien, Pakistan und die Philippinen haben laut Zahlen der Expo Riva Schuh zwar ihren Anteil an der Weltproduktion erhöht, tragen aber nur wenig zum internationalen Handel bei. Die Türkei, Vietnam, Bangladesch und Kambodscha indes haben ihren Anteil an der Weltproduktion gerade wegen ihres Beitrags zum internationalen Handel steigern können. Brasilien und Indonesien konnten trotz sinkender Anteile an der Weltproduktion ihren nationalen Anteil an den weltweiten Ausfuhren entweder beibehalten (Brasilien) oder sogar erhöhen (Indonesien).
Für die 100. Expo Riva Schuh melden die Veranstalter eine positive Entwicklung: Bei den Ausstellern (1.300 aus 39 Ländern) gab es ein Plus von 15% im Vergleich zur Januar-Ausgabe 2023. Dies bestätige die immer zentralere Rolle der Messe im internationalen Schuhbusiness.