schuhkurier: Die letzte Moda made in Italy hat unter erschwerten Bedingungen stattgefunden. Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus – und aus der Tatsache, dass es mit der Essenz gewissermaßen eine Gegenveranstaltung gibt?
Fabio Aromatici: Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, wie sich die Rahmenbedingungen darstellen. Ohne Zweifel verfügen wir über die erforderliche Expertise für die Organisation von Messen und ähnlichen Veranstaltungen. Grundsätzlich sollen all unsere Anstrengungen in die Marke TheMicam einzahlen. Auf dem deutschen Markt ist die Situation besonders schwierig. Einmal, weil es – neben der GDS – verschiedene andere Veranstaltungen gibt. Zum anderen, weil wir inzwischen rund 30 Events weltweit organisieren und dafür ein gewisses Timing erforderlich ist. Und darüber hinaus ist die Moda made in Italy eine Messe, die von einem Industrieverband organisiert wird, auf der aber überwiegend Handelsagenturen ausstellen. Wir müssen also die Daten der deutschen Messen im Blick behalten, ebenso die Termine der internationalen Veranstaltungen. Und dann die Interessen von Herstellern und Handelsagenturen – und die sind naturgemäß oft konträr. Nicht zu vergessen das Oktoberfest, das im Herbst ein erhebliches Problem darstellt. Alles in allem also komplizierte Rahmenbedingungen.
schuhkurier: Und nun ist noch eine weitere Messe am Ende der Orderrunde hinzugekommen?
F.A.: Das ist eine Entwicklung, die wir aufmerksam beobachten. Es ist zunächst einmal Wettbewerb, und dem stellen wir uns. Das ist für sich betrachtet positiv. In die letzte Moda made in Italy haben wir deutlich investiert, den Service optimiert und einige Neuerungen eingeführt, um die Messe insgesamt attraktiver zu gestalten. Wir haben darauf eine positive Resonanz wahrgenommen. Wichtig ist mir, an dieser Stelle nochmals zu betonen, dass wir von Haus aus ein Industrieverband sind – und keine Messeorganisation.
schuhkurier: Allerdings wird die Entwicklung zweier Messen am Ende der Orderrunde letztlich auf dem Rücken der Händler ausgetragen.
F.A.: Das ist sicherlich etwas, das keiner will. Zumal der deutsche Markt ja schrumpft, wir also über weniger Händler und weniger Limit sprechen. Wir sind überzeugt, dass sich die Situation – gerade auf dem deutschen Markt – weiter verändern wird. Dies beobachten wir mit großem Interesse, um auf die sich daraus ergebenden Anforderungen richtig zu reagieren. Ich kann mir vorstellen, dass wir mit den Veranstaltern der Essenz Gespräche führen. Wir wären dazu auf jeden Fall bereit. Wir wollen keine Konfrontation. Und auch den Vorwurf der Ignoranz, der hier und da an uns gerichtet wurde, halte ich für verfehlt. Wir haben alle keine Zeit und auch kein Geld für eine Schlacht um die Einkäufer in München. Allerdings können wir die Situation auch nicht die Wünsche eines jeden Handelsvertreters berücksichtigen. Wenn aber eine Delegation der Essenz uns ein Signal gibt, sind wir gern bereit für den Dialog.