Die Fachkräftelücke in Deutschland könnte bis 2029 auf 723.000 Personen steigen. Das wären 47 % mehr als 2024, zeigt die aktuelle Arbeitsmarktfortschreibung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Gleichzeitig könnte die Beschäftigung bis 2029 um 5 % auf rund 35 Mio. Personen wachsen.
Besonders stark betroffen wäre der Verkauf. Für Einzelhandelskaufleute und vergleichbare Berufe weist die Prognose mit gut 39.000 fehlenden Fachkräften die größte Lücke aller untersuchten Berufsgruppen aus. Dahinter folgen unter anderem technische Berufe: In der Kraftfahrzeugtechnik könnten rund 15.900, in der elektrischen Betriebstechnik 13.800 und in der Mechatronik 13.600 qualifizierte Arbeitskräfte fehlen.
Als wesentlichen Treiber sieht das IW den demografischen Wandel. Immer mehr Beschäftigte aus der Babyboomer-Generation gehen in den kommenden Jahren in Rente. Gleichzeitig ist die Zuwanderung zuletzt zurückgegangen. „Der Fachkräftemangel wird sich daher in vielen Bereichen verschärfen, und wir werden das täglich spüren“, sagt IW-Fachkräfteexperte Alexander Burstedde. Die derzeit zurückhaltende Personalnachfrage vieler Unternehmen dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass der strukturelle Fachkräftebedarf bestehen bleibe.
Das IW verweist zugleich auf einen sich abschwächenden Beschäftigungstrend. Aktuelle Daten bis 2025 zeigen bereits einen deutlichen Rückgang der Fachkräftelücke. Diese Entwicklung konnte in der neuen Fortschreibung noch nicht vollständig berücksichtigt werden, da zahlreiche benötigte Daten erst mit Verzögerung vorliegen. Bei der nächsten Aktualisierung könnten die Trends daher schwächer ausfallen.
Die Studie schreibt die Entwicklungen der Jahre 2018 bis 2024 für rund 1.300 Berufe bis zum Jahr 2029 fort. Das IW betont ausdrücklich, dass es sich nicht um eine Prognose handelt. Die Ergebnisse zeigten vielmehr, wie sich Beschäftigung und Fachkräftelücken entwickeln könnten, wenn sich die bisherigen Trends fortsetzen. Einflussfaktoren wie Zuwanderung, Renteneintrittsalter, Berufswahl sowie Investitionen in Weiterbildung und Strukturwandel können die Entwicklung verändern.
Burstedde sieht deshalb unter anderem Handlungsbedarf bei der Fachkräftezuwanderung: „Die Politik sollte kurzfristig die Arbeitsanreize erhöhen und mehr qualifizierte Zuwanderung aus EU-Drittstaaten organisieren.“