Erst Abitur, dann Schuhe
Für Philipp Penschek war schnell klar, dass er in die Fußstapfen seiner Vorfahren tritt. Dabei wollte er eigentlich Sozialpädagogik studieren. Nach dem Abitur musste er auf einen Studienplatz warten. In einer Kaufmannsfamilie wird keine Zeit vergeudet, bekam er von seinem Vater Dietmar zu hören. Also machte er ab 2007 eine kaufmännische Ausbildung im elterlichen Schuhgeschäft. Und blieb bei den Leisten. Kinderschuhe verkaufen, das gefiel ihm. Der Verkauf und der Umgang mit den Kindern kamen seiner sozialpädagogischen Ader sehr entgegen. Der Einzelhändler liebt seinen Beruf: „Ich gehe jeden Morgen mit einem Lächeln ins Geschäft und gehe abends mit einem Lächeln nach Hause“, freut sich der Duisburger jeden Tag. Die kleinen Kunden erden ihn. „Es geht kein Schuh über die Ladentheke, den ich nicht auf Herz und Nieren geprüft habe“. Seit 2012 ist er alleiniger Geschäftsführer und Inhaber des Schuhunternehmens.
Als die Großeltern Ende 2018 signalisierten – beide waren Mitte 80 – ihr Schuhgeschäft in der Münchener Straße 2020 aufzugeben, griff Enkel Philipp Penschek zu und kehrte zum Ursprungsstandort zurück. Der zertifizierte Kinderschuhfachhändler übernahm das Ladenlokal und ging 2019 in die Planung seines Einzelhandelskonzepts. In die Renovierung des Ladenlokals – eine Immobilie der Familie – investierte er einen sechsstelligen Betrag. Dann kam Corona. „Wir sind trotzdem 2021 in die Münchener Straße 55 umgezogen“, erzählt Penschek. Der junge Kaufmann musste im Lockdown irgendwie sehen, das Geld in die Kasse kam. Der Zeitaufwand war groß. Es wurden Fotos von den Schuhmodellen und kleinen Kinderfüßen gemacht und hin- und hergeschickt. Penschek analysierte die Füße anhand der Fotos, suchte das passende Schuhwerk aus und fuhr die Kartons selbst mit seinem Schuhtaxis zu den Kaufinteressenten. Nach Corona folgten Energiekrise und Ukraine-Krieg. „Als Kaufmann bin ich mit Sorgen und Nöten groß geworden. Jetzt ist alles im grünen Bereich, die Kredite sind weitestgehend zurückgezahlt und das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen“, freut er sich. Schon vor der Krisenzeit hatte er einen großen Stammkundenkreis aufgebaut.
Im März 2021 konnte er die neuen modernen Geschäftsräume endlich eröffnen. Über 6000 Paar Schuhe von überwiegend WMS-geprüften Marken in den Größen 17 bis 38 gibt es hier zur Auswahl. Zu den Rennern im Sortiment zählen Superfit mit 25% Umsatzanteil und Ricosta mit 20%, außerdem u.a. Lurchi, Däumling, Primigi, Richter, Fischer, Keen oder Lowa Kids. Das Einzugsgebiet vom Kinderschuhgeschäft umfasst 60 Kilometer – vom Niederrhein, Düsseldorf, Köln und aus dem Ruhrgebiet kommen die jungen Familien nach Duisburg gefahren. Draußen gibt es 200 Parkplätze, nebenan ein Café und eine Eisdiele. „Besonders an den Nachmittagen und samstags ist es voll im Geschäft, da können in Stoßzeiten auch mal 60 Personen auf der Verkaufsfläche sein“, so Penschek, der nie die Ruhe verliert und schnell Kontakt zu den Kindern findet. Er selbst hat mit seiner Lebensgefährtin Natascha Zucht die zweijährige Tochter Nele, den neunjährigen Sohn Benjamin aus erster Ehe und im Juli kam das dritte Baby zur Welt. Seine Lebenspartnerin ist Polizeioberkommissarin und hat ein besonderes Gefühl für Farben, Design und Dekoration. „Sie arbeitet im Hintergrund an Werbung und Marketing und gestaltet mit Herzblut unsere Schaufensterdekoration“, freut sich Philipp Penschek über die Kreativität seiner Partnerin.