„Ich habe als Händler nicht mehr die Perspektive gesehen, dass sich die Dinge wieder positiv entwickeln.“ So bringt Jens Große-Kreul (56) die Situation auf den Punkt, die zur Entscheidung führte, die Schuhhäuser, die er gemeinsam mit seiner Frau Svenja Glathe (51) führt, zu schließen.
Die beiden Standorte in Gladbeck – ein dritter Store in Castrop-Rauxel war Ende letzten Jahres geschlossen worden – seien gut aufgestellt gewesen, sagt der Händler. Das Schuhhaus Grosse-Kreul biete ein hochmodisches Sortiment, das zweite Geschäft „Auftritt by Grosse-Kreul“ eine konsumige und komfortlastige Auswahl. Zwar habe die Schließung des Standortes in Castrop dem Unternehmen etwas mehr Flexibilität verliehen, die Probleme seien aber geblieben. „Die Kunden für unsere hochmodischen Marken sind zunehmend weggeblieben“, berichtet der Händler. Die Kaufzurückhaltung wirkte sich weiter gravierend aus, die Kosten stiegen, die Margen schrumpften. „Bei keinem dieser Themen zeichnete sich ein Ausweg ab. Dabei hatten wir doch schon einige bescheidene Jahre hinter uns“, resümiert der Händler.
Nach Monaten der Überlegungen war Anfang des Jahres die Entscheidung gefallen, die Schuhhäuser aufzugeben, sagt Große-Kreul. 55 Jahre nach der Gründung des Unternehmens durch Große-Kreuls Eltern, 30 Jahre nach seinem eigenen Eintritt in die Firma.
Der Unternehmer nutzte sein Netzwerk, um Interessenten zu finden, die die beiden Geschäfte weiterführen wollen. Im Frühjahr wurde er mit dem Dorstener Schuhhändler Ostermann mit derzeit vier Geschäften in Dorsten und Bottrop fündig. Inhaberin Dagmar Niepmann wird die beiden Häuser ab Januar 2026 unter eigenem Namen und mit neuem Konzept übernehmen. Das sei „ein großes Glück“ sagt Jens Große-Kreul: „Die Geschäfte bleiben bestehen, unsere 13 Mitarbeitenden werden von Ostermann neu eingestellt, die Stadt wird nicht ausbluten.“