Allianz Trade hat in einer Studie die Auswirkungen von Zöllen und der sich verändernden Geopolitik auf Lieferketten und den Welthandel untersucht. „Die Lieferketten von Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren nachhaltig verändert: Resilienz kommt inzwischen vor Effizienz“, sagt Dr. Jasmin Gröschl, Senior Volkswirtin bei Allianz Trade. „Unternehmen haben auf die harte Tour gelernt, dass Waren besser später als gar nicht ankommen; längere Transportwege sind inzwischen häufig das kleinere Übel.“
Bis Mitte Oktober wurden 309 neue Zölle eingeführt, das sind fast doppelt so viele wie im Gesamtjahr 2024. Das durch Handelsbeschränkungen betroffene Handelsvolumen hat sich fast verdreifacht und betrifft Waren im Wert von schätzungsweise 2,7 Bio. US-Dollar. Das entspricht fast 20 % der weltweiten Importe. Deutschland ist als Exportnation besonders stark betroffen: Während im Jahr 2023 nur rund 2% der deutschen Exporte von neuen Zollmaßnahmen betroffen waren, stieg dieser Anteil im Jahr 2024 bereits auf 7%. Mitte November dieses Jahres lag der Anteil bei rund 25 % der deutschen Ausfuhren. Die Auswirkungen der Geopolitik machen einen großen Teil des prognostizierten Wirtschaftswachstums aus und ordnen diesen ein: Eine Umleitung von US-Importen weg von China, eine Vorverlagerung von Lieferungen vor der Einführung höherer US-Zölle sowie eine stärkere Diversifizierung des Handels machen 1,3 Prozentpunkte des prognostizierten Wachstums von 2 % aus. Für 2026 und 2027 erwarten die Allianz Trade-Volkswirte eine Verlangsamung des globalen Handels mit Waren und Dienstleistungen auf +0,6 % bzw. +1,8 %.
Gleichzeitig nimmt der Handel zwischen geopolitisch ähnlich ausgerichteten Volkswirtschaften an Bedeutung, so Gröschl weiter: „Die politische Ausrichtung spielt im Welthandel inzwischen eine sehr große Rolle“, sagt Dr. Jasmin Gröschl. „Steigt die geopolitische Distanz um 10 % , führt dies zu einem Rückgang des bilateralen Handels um etwa -2 %. Das bedeutet auch: Lieferketten müssen sich anpassen.“