Die Produktion von orthopädischen Schuhen findet bei Trautmann im gut beleuchteten Keller statt. Seitlich große Fenster, nach oben hin können Kundinnen und Kunden von der Ladenfläche herunterschauen und das Treiben live verfolgen. Matthias Trautmann erzählt, wie wichtig es ihm war, beim Umbau auf gewisse Voraussetzungen der Arbeitsumgebung zu achten. Neben dem Tageslicht seien auch die dezentrale Lüftung oder die höhenverstellbaren Maschinen ein Muss. „Es muss Spaß machen, hier zu sein. Mann soll sich ja nicht fühlen, als würde man im Keller sitzen.“ Und in einem Geschäft für orthopädische Schuhe müsse man zuerst bei den Arbeitskräften auf die Gesundheit achten. Auf sein Grüßen hin lächeln die vielen tatkräftigen Mitarbeitenden zwischen den Maschinen freundlich zurück.
Hier unten, zwischen Gesprächen und Maschinenlärm, ist der Ort, an dem die orthopädischen Schuhe nach Maß angefertigt und repariert werden. Über Gipsabdrücke kann hier präzise mit unterschiedlichen Farben gearbeitet werden, um auch wirklich alle Bedürfnisse zu decken. Dabei kann eine Maßfertigung schon einmal ihre 40 Stunden pro Schuh dauern. Für den Orthopädieschuhmacher kommt 3D-Druck zurzeit nicht in Frage, dafür sei die Technik noch zu teuer und die Prozesse dauerten schlichtweg zu lang. Die Produktion der orthopädischen Einlagen wurde im Verlauf der langen Betriebsgeschichte mehrmals umgekrempelt und abgeändert. 2010 entschied sich Trautmann dazu, das Frässystem zu wechseln. Doch unter den damals angebotenen Systemen gab es keines, das den Bedürfnissen gänzlich entsprach. Deshalb suchte sich der Geschäftsführer Fachleute aus dem CAD-Bereich sowie Maschinenbauer zusammen, um sein eigenes Frässystem mitsamt der Firma Feetinform zu gründen. 2012 wurde dieses System erstmals auf der Orthopädie + Reha in Leipzig vorgestellt.
In der Einlagen-Werkstatt, in der das System zum Einsatz kommt, herrscht ebenfalls reges Treiben. Hier unten werden Fräs-Blöcke, die direkt vom Lieferanten kommen, gelagert und verarbeitet. Aktuell arbeite man auch mit diesen daran, die Überreste der Produktion wieder einschmelzen zu können, um sie daraufhin wiederzuverwerten. „Früher haben wir sehr viel Lagerfläche gebraucht“, erinnert er sich zurück und blickt sich im weiten Raum um. „Brauchen wir nicht mehr.“ Aufgeräumt und sortiert ist die Werkstatt gut organisiert und durchgehend auf Trab. „Jetzt bekommen wir unsere Lieferung, wir machen die Form und können direkt loslegen.“ Für individuelle Wünsche bietet Trautmann auch unterschiedliche Bezüge in den gewünschten Farben an. Selbst seine eigenen Modelle für Zehentrenner werden hier angeboten. „Trautletten“, wie die luftigen Schuhe heißen, sind ebenfalls Maßanfertigungen – kein Paar gleicht dem anderen, erst recht nicht in der Farbe.
Doch Trautmann selbst ist weniger in der Werkstatt unten tätig und erst recht nicht im Obergeschoss, im Büro. Dort hat er Leute, damit er selbst wiederum auf der Fläche sein kann. Insgesamt stellt sich das Team von Trautmann aus rund 60 Mitarbeitenden zusammen – ca. 50 im Stammhaus in Appenweier-Urloffen, 6 in der Filiale in Offenburg und 5 in der Filiale in Freiburg. Sein Nachwuchs ist ebenfalls aktiv, Sohn Jan kümmert sich bereits um den Standort in Offenburg. Doch egal ob in Offenburg, Freiburg oder in der Zentrale in Appenweier: auch Matthias Trautmann hat mit allgegenwärtigen Problemen zu kämpfen. Aktuell bereitet ihm vor allem die Personalsuche Kopfschmerzen. „Bis jetzt haben wir immer Leute gefunden, wenn wir sie gebraucht haben“, erzählt er. „Es ist schwieriger geworden, aber wir haben es geschafft.“ Doch auf etwaige Glücksgriffe kann man sich als Geschäftsführer und Unternehmer nicht langfristig verlassen. Erst recht nicht, wenn in fünf bis zehn Jahren einige Mitarbeitende in den Ruhestand gehen. „Wie ich diese Löcher stopfe, bereitet mir ganz große Sorgen“, sagt er nüchtern. Nach dem Rundgang ist nun Zeit, kurz stehen zu bleiben und innezuhalten.
Angebote durch Schulpraktika werden nicht genutzt, die Stellenanzeige für Lehrlinge bleibt unbeantwortet. „Nicht einmal eine Bewerbung.“ Dabei seien die Möglichkeiten sogar vorhanden, blieben jedoch durch unnötige Bürokratie verwehrt: Eine lernwillige Fußpflegerin darf ihre gewünschte Ausbildung zur Podologin nicht absolvieren, weil ihre ausländischen Schulabschlüsse bei uns nicht anerkannt werden. Einer weiteren Fußpflegerin, die gerne mehr arbeiten würde, werden steuerliche und sozialversicherungstechnische Hürden in den Weg gelegt. „Da müsste sich Deutschland generell mal Gedanken machen. Wenn ich sehe, wie größere Unternehmen ins Ausland gehen, weil die erkennen, dass es dort einfacher ist – dann muss man sich hier wirklich Gedanken machen.“ Aber auf einer solchen Ebene versucht Trautmann gar nicht erst zu denken – ihm ist wichtiger, was er selbst in der Hand hat.