Im Rahmen der Pressekonferenz des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) zog der Vorsitzende Ralph Rieker eine Zwischenbilanz für das Jahr 2013. Seine Botschaft: „Das Spiel ist erst nach der 2. Halbzeit zu Ende.“Mit dem 1. Halbjahr 2013 kann die deutsche Schuhindustrie nach den Worten von Ralph Rieker nicht ganz zufrieden sein. Mit 1,17 Mrd. Euro lag der Umsatz um 2,7% unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Erfreulich sei jedoch die leichte Umsatzsteigerung im Auslandsgeschäft. Vor allem auf den wichtigen europäischen Märkten zeichne sich eine Erholung ab. Die Umsätze der deutschen Schuhindustrie im Ausland stiegen von 307 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2012 um 2,4% auf 314 Mio. Euro im 1. Halbjahr 2013. „Damit scheinen die in einigen Ländern eingeleiteten Reformen langsam zu wirken und eine Rückkehr zu Wachstum in vielen europäischen Ländern wieder in Sichtweite. Dennoch liegt der Umsatz unserer Unternehmen im Ausland noch weit hinter den Spitzenwerten früherer Jahre zurück“, so der HDS/L-Vorsitzende. Mit Blick auf den Handel in Deutschland wies Ralph Rieker auf die wachsende Bedeutung des E-Commerce hin. „Bereits jedes zehnte Paar Schuhe wird online verkauft. Noch vor wenigen Jahren belächelt, wächst E-Commerce mit Schuhen zweistellig in einem sonst stagnierenden Markt“, so Rieker. Internet-Pure-Player sind bereits zum Teil die umsatzstärksten Kunden einiger Hersteller. Laut einer Studie, die der HDS/L in Auftrag gegeben hat, wollen viele Hersteller das Thema E-Commerce künftig aktiver angehen, indem sie selbst präsenter werden und darüber hinaus klare Regeln für den Handel im Internet aufstellen, etwa über selektive Vertriebskonzepte. Dabei nutzen die Hersteller zudem ihre eigenen Absatzpotenziale noch nicht voll umfänglich aus.
Problematisch entwickelt sich aktuell der Ledermarkt. „Der Zugang zur Rohware Leder wird für die gesamte Schuhindustrie immer schwieriger. Zum einen sinken die Schlachtraten, d.h. es sind weniger Häute verfügbar, zum anderen nimmt die Nachfrage anderer Branchen, wie der Automobil- und der Möbelindustrie zu. Diese Lederknappheit wirkt sich bereits auf die Lederpreise aus“, erklärte Ralph Rieker. Für den weiteren Verlauf des Jahres 2013 sei die Stimmung unter den Lieferanten von einer „professionellen Zuversicht“ geprägt. Allerdings sanken die Umsätze im Inland in den vergangenen Monaten tendenziell und unterlägen deutlichen Schwankungen.
Einen umfassenden Überblick über die Situation der deutschen Schuhindustrie bot HDS/L-Geschäftsführer Manfred Junkert. Die Zahl der Beschäftigten befand sich demnach weiterhin auf hohem Niveau, auch wenn sie nach mehrjährigem, stetigem Anstieg im 1. Halbjahr 2013 leicht sank. Sie verringerte sich von 11.673 im 1. Halbjahr 2012 um 1,3 % auf 11.517 im 1. Halbjahr 2013. Die Zahl der Betriebe, die von der amtlichen Statistik erfasst wurden, änderte sich von 46 erfassten Betrieben im 1. Halbjahr 2012 auf 41 erfasste Betriebe im 1. Halbjahr 2013. Von der amtlichen Statistik wurden nur Unternehmen mit 50 und mehr Mitarbeitern in die Statistik einbezogen. „Insgesamt haben wir unverändert ca. 80 Unternehmen der Schuhindustrie in Deutschland“, so Manfred Junkert. Für die Schuhproduktion in Deutschland liegen dem Verband derzeit nur Zahlen für das 1. Quartal 2013 vor. Diese weisen einen paarzahlmäßigen Rückgang von 3,9% aus.
„Für den weiteren Verlauf des Jahres 2013 erhoffen wir uns, dass der Schuhmarkt wieder etwas mehr in den Fokus der Verbraucher rückt. Die Konsumlaune insgesamt ist nach wie vor relativ gut. Es bleibt abzuwarten, ob für das Inland in der zweiten Jahreshälfte neue Impulse für eine Belebung des Schuhumsatzes kommen“, sagte Manfred Junkert in Düsseldorf. Der aktuelle Ifo-Branchenbericht für den Bereich der Schuhe drücke eine verhaltene Geschäftslage aus. Die Schuhindustrie habe daher für die Geschäftsentwicklung der nächsten sechs Monate nur leicht positive Erwartungen. „Zusammenfassend gehen wir davon aus, dass das Umsatzniveau im Gesamtjahr 2013 gegenüber dem Vorjahr wohl nicht gehalten werden kann.“