Am 6. Juni fand im Headquarter von Puma in Herzogenaurach das HDS-Symposium statt. Zahlreiche Vertreter aus Industrie und Handel nutzten die Gelegenheit, um sich über „Die Macht der Marke – Markenführung im Multichannel“ zu informieren und auszutauschen.
Der HDS-Vorsitzende Ralph Rieker begrüßte die Anwesenden und führte ins Thema ein: Gerade auch angesichts einer problematischen Ausgangslage in der Branche sei es wichtig, mit Markenprodukten das Vertrauen der Verbraucher nachhaltig zu gewinnen. Die kritische Situation findet Ausdruck in aktuellen Zahlen: In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres erlitten die Lederwarenhersteller ein Umsatzminus von 13,7%, die Schuhhersteller einen Umsatzrückgang um 3,5%. „Das Wetter, neue Wettbewerber, ein geändertes Verbraucherverhalten“ – vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen böten gerade Marken eine Chance, sich vom Wettbewerb abzusetzen.
Dr. Kai Hudetz vom IfH Köln schilderte in seinem Vortrag, wie das Cross-Channel-Verhalten von Konsumenten beim Kauf von Markenartikeln funktioniert. Nach Erkenntnissen des IfH ist es wichtiger denn je, den Kunden wirklich zu kennen: „Das ist es, was wir von Amazon & Co. lernen können.“ Gerade markenaffine Kunden kaufen gern direkt beim Hersteller. Sie informieren sich vor dem Kauf im Internet. Und sie schätzen beim Direktvertrieb der Hersteller die zusätzlichen Informationen und Services, die sie in Anspruch nehmen können. Dem stationären Handel empfahl der Experte, seine Präsenz im Internet deutlich zu erhöhen. „Vieles am Erfolg des Online-Segments geht auf Versäumnisse des stationären Handels in der Vergangenheit zurück“, so Hudetz.
Der Markenexperte Frank Dopheide erläuterte, was die Schuh- und Lederwarenindustrie von George Clooney lernen kann – und hatte zunächst ein ernüchterndes Statement für die Anwesenden parat: Es gibt kaum starke Marken in der Branche. Dabei hätte sie enormes Potenzial. Basis für eine starke Marke sei, so Dopheide, immer die Qualität. Darauf aufbauend entstehen auf dem Weg zur geliebten Brand Bekanntheit, Akzeptanz, Vertrauen und schließlich Identifikation. Das gute Produkt, Exzellenz in dem, was man als Unternehmen tut, die gemeinsame Sprache mit dem Kunden – und ein „unvergessliches erstes Mal“ sind nach Ansicht des Referenten Sprossen auf der Leiter, die in den Markenolymp führt. „Schuhe sind ein hochemotionales Produkt“, so Dopheide, „machen Sie Ihre Kunden zu Fans.“
Wie das geht, wusste Pia Madison von Puma zu berichten. Die Marketingexpertin schilderte die Kooperation der Sportmarke mit dem Fußballverein Borussia Dortmund. "Echte Liebe ist gelb", lautete der Name der gemeinsamen Kampagne – und diese bescherte Marke und Fußballclub nicht nur mehr Umsatz, sondern auch einen enormen Image-Gewinn.
Image-Gewinn im weitesten Sinne stand auch im Fokus des Vortrags von Sven Suberg. Er stellte Ergebnisse einer Studie vor, die seine Unternehmensberatung für den HDS durchführte. Im Mittelpunkt stehen Internet-Performance und -Potenziale der Schuh- und Lederwarenbranche in Deutschland. "Die Wachstumsraten im Internet sind beeindruckend, das darf nicht ignoriert werden", so Suberg. Er empfahl den Unternehmen dringend, eine ausgefeilte Internet-Strategie zu entwickeln und diese konsequent zu verfolgen. Es gehe darum, als Marke auch im Internet gefunden zu werden und "Herr des Traffic" zu werden. "Der Kunde muss im Universum Ihrer Marke gehalten werden", so Suberg. Und dies werde von den Herstellern aus Schuh- und Lederwarenbranche noch zu wenig verfolgt.
Ein ausführlicher Bericht zum HDS-Symposium erscheint in Lederwaren Report Ausgabe 06/2013