Die Studie “Arbeitgeber Handel – Fit for Future?!” vom Institut für Handelsforschung (IFH) in Kooperation mit Great Place to Work gibt Einblicke in das Arbeitgeberimage des Handels aus Sicht von Konsumenten, potenziellen Auszubildenden und Nachwuchsführungskräften.
Der Handel als Arbeitgeber leidet unter einem Imageproblem. 2011 konnten erstmalig nicht alle Ausbildungsstellen im Handel besetzt werden, und nicht zuletzt aufgrund des demographischen Wandels verschärft sich der Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchs- und Führungskräfte. Die IFH-Studie analysiert, ob der Handel für die Personalherausforderungen der Zukunft gewappnet ist, und zeigt, dass die Top-Arbeitgeber der Branche durchaus mit der Konkurrenz aus der Industrie oder dem Bankensektor mithalten können.
Die Kooperationsstudie ’Arbeitgeber Handel – Fit for Future?!‘ vom IFH Köln und Great Place to Work umfasst 90 Seiten mit 55 Abbildungen und ist über den Shop des IFH Köln zu beziehen. Darin geben mehr als 20 Best Practice-Beispiele mit Leuchtturmprojekten Anregungen für kreative Personalarbeit im Handel.
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In die IFH-Untersuchung sind auch die Ergebnisse der Benchmark-Studie ’Deutschlands Beste Arbeitgeber‘ von Great Place to Work, für die insgesamt 100.000 Mitarbeiter aus 500 deutschen Unternehmen befragt wurden, eingeflossen. Diese zeigen, dass die Gesamtbeurteilung der Attraktivität des Handels als Arbeitgeber mit 64% unterhalb des deutschlandweiten Unternehmensschnitts (68%) liegt.
Zugleich wird der Handel von den Kunden deutlich negativer eingeschätzt. So sind 44% überzeugt, dass der Handel als Arbeitgeber schlechter ist als Unternehmen aus anderen Branchen. Nur 22% sind sich sicher, dass dies nicht zutrifft. Darüber hinaus haben bereits 65% der Konsumenten mindestens einmal ein Handelsunternehmen boykottiert, nachdem sie in den Medien oder von Freunden und Bekannten etwas Negatives über den Anbieter als Arbeitgeber gehört haben.
Dennoch steht der Handel im Ranking der Arbeitgeber-Wunschbranchen nicht so schlecht da, wie aufgrund dieser Aussagen zu befürchten wäre. So steht der Handel bei Schülern auf Platz 6 der beliebtesten Branchen und bei Absolventen sogar auf Rang 3. Auffällig ist hier jedoch: 48% der Schüler und 43% der Absolventen können keinen Wunscharbeitgeber nennen. Als wichtigste Hinderungsgründe für eine Tätigkeit im Handel nennen Schüler Arbeitsinhalte, Karriereperspektiven und die Vergütung. Bei Absolventen sind es Arbeitsinhalte, Vergütung und Arbeitszeiten.
Absolventen unzufrieden
Die Detailanalyse von einzelnen Mitarbeitergruppen zeigt Potenziale und Schwachstellen für den Handel auf. Der Handel ist vor allem für Beschäftigte in einfachen Angestelltenpositionen ein attraktiver Arbeitgeber. Während Mitarbeiter mit Hochschulabschlüssen deutlich unzufriedener sind als der Durchschnitt anderer Branchen, fühlen sich Mitarbeiter ohne Bildungsabschluss im Handel gut aufgehoben. Zudem äußern sich Teilzeit-Kräfte deutlich positiver als Vollzeit-Beschäftigte und schreiben dem Handel durchschnittlich mehr Attraktivität zu als anderen
Branchen. „Der Handel kann bei Mitarbeitern ohne Führungsfunktion und bei Teilzeitbeschäftigen punkten. Die mangelnde Begeisterung bei höher qualifizierten Mitarbeitern und Vollzeit-Angestellten ist allerdings kritisch“, warnt Bettina Seul, Bereichsleiterin Forschung & Konzepte am IfH Köln.
Der demographische Wandel erschwere vor allem in diesen Zielgruppen den Kampf um die besten Nachwuchskräfte deutlich. Positiv schneidet der Handel gegenüber der Konkurrenz aus anderen Branchen in puncto freie Zeiteinteilung ab. Deutliche Schwächen zeigen sich allerdings bei den Aspekten Weiterbildung und Sozialleistungen. Hier werden handelsferne Unternehmen deutlich besser beurteilt. „Der Handel sieht aktuell scheinbar noch nicht, dass attraktive Sozialleistungen geringe Gehaltsniveaus durchaus kompensieren können“, so Seul.
Die Zukunft: Employer Branding
Hat es ein Unternehmen geschafft, neue Mitarbeiterinnen für sich zu begeistern, wird das Thema Mitarbeiterbindung zum zentralen Erfolgsfaktor. Eine attraktive Arbeitsplatzkultur trägt dazu bei, eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen herzustellen und die Strahlkraft der Employer Brand zu erhöhen.
Letzteres ist gerade auch für die Gewinnung neuer Mitarbeiterinnen von besonderer Relevanz. 17% der für die Studie befragten Handelsmitarbeiter gaben an, sich aufgrund des positiven Images des Unternehmens in der Öffentlichkeit für ihren aktuellen Arbeitgeber entschieden zu haben. Rund jeder sechste Handelsmitarbeiter hat sich bei der Wahl des Arbeitgebers auf Empfehlungen von Bekannten verlassen.
Die Great Place to Work-Daten zeigen: Um die Empfehlungsbereitschaft der Handelsmitarbeiter ist es bereits ganz gut bestellt. Rund jeder Zweite der im Handel Beschäftigten würde seinen Arbeitgeber guten Bekannten weiterempfehlen. Im Vergleich zu anderen Branchen fällt der Handel allerdings leicht zurück. Von den befragten Mitarbeitern der Nicht-Händler (z.B. Industrie oder Bankensektor) würden sogar 63% ihren Arbeitgeber weiterempfehlen. „Die Weiterempfehlungsbereitschaft ist häufig ein guter Indikator für die Mitarbeiterzufriedenheit. Unternehmen sollten sich dabei vor allem darüber im Klaren sein, dass jeder Mitarbeiter ein Markenbotschafter für die Employer Brand ist und bei potenziellen Bewerbern authentisch wahrgenommen wird“, so Bettina Seul.