Was als digitale Erfolgsgeschichte begann, endete offenbar im Chaos. 2020 gründeten die Influencer Elias Nerlich und Stepan Timoshin das Streetwear-Label Elevate, kurz darauf stieß Ex-Fußballprofi und Influencer Sidney Friede hinzu. Die Marke traf den Nerv einer jungen Zielgruppe, die Umsätze explodierten. 2022 erklärte Nerlich gegenüber „Capital“, Elevate habe ihn zum Millionär gemacht.
Doch laut einer umfangreichen Spiegel-Recherche geriet das Unternehmen hinter den Kulissen offenbar zunehmend außer Kontrolle. Dem Magazin liegen demnach tausende Seiten interner Unterlagen vor – darunter Kontoauszüge, Verträge, Mails und Chatverläufe. Sie sollen den Verdacht stützen, dass Geschäftsführer Stepan Timoshin über Jahre Firmengelder für private Luxusausgaben genutzt haben könnte.
Im Raum stehen Zahlungen für Designer-Handtaschen, Luxusuhren, Jachtausflüge auf Mallorca, Aufenthalte in Fünf-Sterne-Hotels sowie das Leasing eines Rolls-Royce Cullinan im Wert von mehr als 400.000 Euro. Zudem soll Timoshin laut Unterlagen hohe Summen vom Firmenkonto auf private Konten und an eigene Unternehmen überwiesen haben. Sein Anwalt weist zentrale Vorwürfe zurück und spricht von einer eskalierten gesellschafts- und zivilrechtlichen Auseinandersetzung – nicht von einer feststehenden strafrechtlichen Tätergeschichte.
Die Ermittlungen treffen eine Marke, die zunächst als Paradebeispiel für das Zusammenspiel aus Reichweite, Inszenierung und Streetwear-Hype galt. Vor allem Elias Nerlich zählt mit Millionen Followern zu den erfolgreichsten deutschen Influencern. Gemeinsam vermarkteten die drei Gründer Elevate über soziale Medien als Lifestyle-Marke zwischen Luxus, Sneakern und Sportwagen.
2024 eskalierte der Streit offenbar endgültig. Laut Spiegel wurde Timoshin als Geschäftsführer abberufen, kurz darauf beschlossen Nerlich und Friede die Liquidation des Unternehmens. Interne Dokumente, aus denen der Spiegel zitiert, sprechen von möglichen gesellschaftsfremden Ausgaben und einem erheblichen wirtschaftlichen Schaden. Zeitweise kämpfte Elevate offenbar mit massiven Liquiditätsproblemen, zudem sollen hohe Forderungen von Gläubigern und dem Finanzamt offen gewesen sein.
Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte dem Spiegel inzwischen Ermittlungen gegen Timoshin. Er selbst äußerte sich zu vielen Vorwürfen nicht. Seine ehemaligen Geschäftspartner werfen ihm vor, die Aufarbeitung zusätzlich erschwert zu haben – unter anderem durch fehlende Herausgabe von Unterlagen und Zugängen zu Social-Media-Kanälen.