In Isabel Krols Büro scheint die Herbstsonne. Es ist ein klarer Tag, das Jahr neigt sich seinem Ende zu und die General Managerin des niederländischen Schuhanbieters Nimco/Xsensible hat viel zu tun. Die Budget- und Businessplanungen für das kommende Jahr stehen an, ebenso Besuche bei einigen Produzenten. Von besinnlichem Jahresausklang kann keine Rede sein. Aber Krol hat beste Laune: „Das alles ist okay!“
Als General Managerin ist die 28-Jährige seit 2023 verantwortlich für das operative Geschäft des Unternehmens. Ihr Vater Max Krol, 64, ist CEO. Bruder Thomas, 35, verantwortet das Marketing für das Unternehmen und die Marken. Der Plan, den die Familie ausgearbeitet hat, sieht vor, dass Isabel in den kommenden Jahren Zug um Zug mehr Verantwortung übernehmen und das Unternehmen irgendwann alleine führen wird. Krol ist mit dem Unternehmen groß geworden, das ihr Vater gemeinsam mit zwei Brüdern von seinem Vater übernommen hat. Er übernahm später deren Anteile, um sie an Isabel und Thomas weiterzugeben. Ziel war es, das Unternehmen in Familienhand zu halten. Somit stand fest, dass eine mögliche Nachfolgerin oder ein Nachfolger aus seiner Familie kommen könnte. „Darüber nachgedacht, dass ich das Unternehmen einmal führen könnte, habe ich aber nicht“, gibt Isabel Krol zu. „Ich war ein ganz normales Kind, mein Leben kreiste um Schule, Hobbys, Sport und meine Freunde. Und ich bin für diese Freiheit heute sehr dankbar.“
Während sie Human Resources Management studierte, stieg ihr Bruder als Marketingmanager ein. „Da war ich 21 und habe zum ersten Mal überlegt, ob ich auch Verantwortung übernehmen möchte.“ Gleiches galt für ihre Zwillingsschwester. Die Familie überließ nichts dem Zufall. Mit Hilfe von Coaches und professionellen Assessments wurden Persönlichkeitsprofile der jungen Erwachsenen ermittelt. So kam man zu dem Ergebnis, dass Isabel alle Eigenschaften mitbringt, die es für das Management eines Unternehmens braucht. Zugleich stellte ihr Bruder klar, dass er gern bei seinem Verantwortungsbereich bleiben wollte. Und so fiel die Entscheidung, sofort einzusteigen, um die Jahre bis zum Renteneintritt ihres Vaters zu nutzen, um möglichst viel Erfahrung in allen Bereichen zu sammeln.
Isabel startete als Vertriebsverantwortliche für den deutschen Markt und dann als General Managerin für Xsensible und Nimco. Die anderen Geschwister haben sich gegen eine Laufbahn in der Firma entschieden. Lediglich bei der jüngsten Schwester ist die Frage noch offen. „Und das Wichtigste ist immer das Familienband“, sagt Krol. Streitereien um Kompetenzen gebe es nicht. „Das wäre auch nicht sinnvoll. Denn wir sind verantwortlich für 250 Menschen, die auf der Payroll stehen. Wir haben eine eigene Fabrik in Portugal. Dies ist eine große Firma. Und sie muss professionell geführt werden.“
Dennoch erinnert sich Isabel Krol auch an schwierige Situationen seit ihrem Start als General Managerin. Und das in dreifacher Hinsicht: „Ich bin sehr jung, ich bin eine Frau und ich bin die Tochter vom Chef. Das haben mich einige Gesprächspartner spüren lassen.“ Ihre Reaktion war logisch: „Ich hatte das Gefühl, ich muss noch mehr machen.“ Auch als sie schwanger wurde, habe sie gewisse Reaktionen nach dem Motto ‚Jetzt hat sie sicher andere Prioritäten‘ wahrgenommen. Es sei keine leichte Schwangerschaft gewesen, sie habe viel liegen müssen; Krankenhausaufenthalte waren nötig. Sie arbeitete von zu Hause, so gut es ging. „Ich hatte Verantwortung und wollte etwas tun“, sagt sie. Nach der Geburt von Arthur blieb Krol nur wenige Monate daheim. Seitdem geht ihr Sohn in eine Kindertagesstätte und Isabel Krol ins Büro. Einen Tag in der Woche bleibt sie mit Arthur im Homeoffice und arbeitet, wenn er schläft. „Und abends oder am Wochenende schalte ich auch meinen Laptop ein.“