Die Kinderschuhabteilung schließen und stattdessen einfach etwas anderes machen – ganz so leicht war das nicht. Ausschlaggebend für die Überlegungen des Schuhhändler-Ehepaars Nölscher, grundsätzlich etwas am Angebot zu verändern, war der Erfolg der Schweizer Marke On: „Die Schuhe der Marke laufen bei uns seit Jahren hervorragend. Bis zu 120 Positionen hatten wir zu Spitzenzeiten im Sortiment, und wir haben irgendwann gemerkt, dass das Interesse nicht allein auf den Cloud 5 gerichtet war, sondern auch auf Running- und Performance-Schuhe.“ So schildert Johannes Nölscher, 39 Jahre alt, den Weg zum Absolute Run-Konzept. Anfangs habe er die Anfragen nach Laufschuhen negativ bescheiden müssen, aber immer mehr Kunden erkundigten sich nach diesen Modellen. „Darum haben wir schon vor Jahren mal darüber nachgedacht, ob wir das Segment ausbauen sollten. Es war uns aber klar: Mit einer kleinen Ecke ist das nicht getan“, so Nölscher. Also habe er die Idee, einen Laufschuhbereich zu installieren, zunächst ein wenig zur Seite geschoben, aber weiter im Hinterkopf behalten. Dann sorgte im vergangenen Frühjahr der Schuhanbieter On für Unruhe im Markt, als er ankündigte, seine Vertriebsstrukturen neu aufzustellen und die Zusammenarbeit mit zahlreichen Schuhgeschäften zu beenden. „Das war erst einmal ein Schock für uns, aber dann auch der Impuls, zu sagen: Wir machen das jetzt“ – gar nicht mal, um die Marke und ihren Bestseller Cloud 5 im Sortiment zu behalten, sondern, um einen völlig neuen Weg zu gehen.
„Volle Lotte“
Elena und Johannes Nölscher beschäftigten sich mit dem Konzept, steckten die Köpfe zusammen, erkundigten sich bei ihrer Verbundgruppe ANWR und bei der Sport 2000. Letztere bietet mit Absolute Run ein Premiumkonzept rund um den Laufsport an. Das Feedback aller Experten, die befragt wurden, war schnell und eindeutig: Wenn ihr das macht, dann macht es richtig. Das bedeutete 200 qm Mindestfläche auf einer gesamten Etage. „Wir haben das Für und das Wider abgewogen und uns dann gesagt: Wir machen es, volle Lotte. Mit der Konsequenz, dass wir eine Etage zur Verfügung stellen müssen.“ Das traf die Kinderschuhabteilung, die erst vor wenigen Jahren völlig neu gestaltet worden war. Das Geschäft mit den Kinderschuhen war nicht schlecht gelaufen, sagt Nölscher, „aber bei Innenstadtlage und Vollbedienung müssten wir mit Durchschnittspreisen antreten, die an die Erwachsenenschuhe heranreichen.“ Beide Faktoren, die Chance, das Running-Segment kompetent und modern darzustellen, und das Kinderschuhsegment, in dem die Luft langsam dünn wurde, untermauerten die Entscheidung der Händlerfamilie. Das war im Sommer vergangenen Jahres. In den folgenden Wochen mussten noch andere mit ins Boot: die Verantwortlichen der Sport 2000 kamen nach Heilbronn und waren schnell vom Ansatz der Händlerfamilie überzeugt. Dann kamen Vertreter der Sportmarken zum Schuhhaus. Und auch sie gaben grünes Licht. Über den Herbst wurde der Umbau geplant. Bis Mitte Januar 2024 lief der Räumungsverkauf der Kinderschuhabteilung, die Möbel holte ein befreundeter Händler ab. Und dann begann die Fertigstellung der neuen Laufschuhabteilung. Einen sechsstelligen Betrag investierte die Händlerfamilie in ihr neues Projekt.