Der Deutsche Städtetag hoffe deshalb, dass nach dem Eigentümerwechsel bei Karstadt ein kluges Zukunftskonzept vorgelegt wird. „Denn Warenhäuser tragen zu lebendigen Innenstädten bei, ziehen Käufer an und nutzen auch dem Einzelhandel in ihrem Umfeld. In der Vergangenheit hat sich gezeigt: Wo Warenhäuser schließen müssen, sinken oft auch die Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe und kann ein Stück Lebensqualität der Bevölkerung verloren gehen“, so Articus. Richtig sei aber ebenso, dass sich die Landschaft im Handel vielfältiger geworden sei – durch große Fachmärkte und Shoppingcenter mit kleinteiliger Ladenstruktur in den Städten sowie durch verändertes Einkaufsverhalten im Zuge des wachsenden Online-Handels. „Diesem Wandel müssen sich die Warenhäuser immer stärker stellen. Und die Städte hoffen, dass ihnen das möglichst gut gelingt.“
Verdi: Hin und Her muss ein Ende haben
Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sowie der Gesamtbetriebsrat von Karstadt erwarten von René Benko eine Strategie für Karstadt, die die Zukunft des Warenhauses und die Arbeitsplätze und Existenzen der Beschäftigten sichert. „Nicolas Berggruen und seine Beauftragten sind an einer Rettung von Karstadt in den letzten Jahren willentlich gescheitert. Statt in Karstadt zu investieren, hat Herr Berggruen über 2.000 Arbeitsplätze vernichtet und Kapital aus dem Unternehmen gezogen. Es war Geld, das unter anderem über die Aufkündigung der Tarifbindung direkt aus den Taschen der Beschäftigten zu ihm floss. Die Beschäftigten sind von diesem angeblich sozialen Investor Berggruen bitter getäuscht worden. Herr Berggruen hat den Beschäftigten mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass es mit ihm für Karstadt und die dortigen Beschäftigten keine Zukunft gibt“, sagte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied und zuständig für den Handel.
Verdi und die Beschäftigten erwarten laut Pressemitteilung nun mit Nachdruck, dass René Benko anders handelt und Karstadt und den Tausenden Beschäftigten eine wirkliche Chance gibt. „Im Vergleich zu Herrn Berggruen hat die Signa-Holding in den letzten Monaten über die Garantie für die Warenkreditversicherer ein klares Signal gesetzt. Jetzt muss Herr Benko umgehend zeigen, wie sein tragfähiges und nachhaltiges Zukunftskonzept für Karstadt aussieht und dass er gewillt ist, in Karstadt umgehend und ausreichend zu investieren. Das Hin und Her in den Managementkonzepten muss endlich ein Ende finden. Es geht darum, die Standorte und die Arbeitsplätze und damit die Existenzen der Beschäftigten zu sichern und die Innenstädte durch die Karstadt-Häuser attraktiv zu halten“, sagte Nutzenberger.
Die Beschäftigten von Karstadt erlebten seit Jahren eine Hängepartie und für eine erfolgreiche Neuaufstellung von Karstadt sei wertvolle Zeit verspielt worden, so Hellmut Patzelt, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Karstadt. „Das muss ein Ende haben. Die Beschäftigten haben lange genug verzichtet. Es liegt jetzt am neuen Eigentümer, die nötigen Mittel bereitzustellen, damit die Karstadt-Häuser überleben können. Die Beschäftigten arbeiten Tag für Tag mit hohem Engagement für Karstadt. Sie werden das auch weiterhin tun und haben es mehr als verdient, dass man mit ihnen verantwortungsbewusst umgeht. Mit dem richtigen Konzept kann und wird Karstadt eine Zukunft haben.“