Verlangt wurde viel, von Montagmorgen bis Samstagnachmittag. In der einkaufsfreien Zeit wurde im Verkauf geholfen, „und das hat mir nicht geschadet.“ „Deckel abzustauben und Seidenpapier zu legen – das habe ich bis heute nicht vergessen.“ Von Siemes ging es zum Schuhhaus Röseler nach Solingen. Dort arbeitete Kerstein mit Patricia Gradias und Seniorchefin Doris Röseler zusammen, „wieder starke Persönlichkeiten, und von jeder nimmt man etwas mit.“
Schließlich führte sie ihr Weg vor 14 Jahren nach Düsseldorf zur Rexor. Dort betreut sie heute die modischen Händler und die Modehäuser unter den Mitgliedsunternehmen. Ihr Job erfüllt Katja Kerstein mit großer Freude, „auch wenn ich mich nach der Essenz in München freue, dass die Orderrunde erst einmal abgeschlossen ist.“ Aber schon nach kurzer Zeit spüre sie dann wieder ein Kribbeln „und freue mich auf die nächste Runde und darauf, dass alles wieder losgeht.“
Gerade bereite sie mit Hochdruck den Ordertag in Mönchengladbach im Februar 2026 vor. „Und dann macht es mich glücklich, wenn am anderen Ende der Leitung jemand sagt: Ach, wie schön, dass ich dich mal höre.“ Am schönsten ist die Abwechslung, denn die Arbeit bei der Rexor bringt es mit sich, dass kein Tag wie der andere ist. „Manchmal weiß ich morgens nicht, was den ganzen Tag auf mich zukommt, und das finde ich großartig.“ Glücklich macht es sie, „dass ich großartige Schuhflächen betreuen und Händler beraten darf.“ Dankbar ist sie dafür, dass die Rexor das Konzept der Modehändler aufgriff. Und stolz ist sie darauf, dass es Flächen gibt, die sie mitgestaltet hat. „Ich finde es gut, dass ich das so geschafft habe. Und ich bin sehr stolz auf mein großes Netzwerk.“ Sie müsse nicht in der ersten Reihe stehen, sagt die Schuhexpertin, und auch nicht alle 14 Tage in der Presse. „Vielleicht ist das auch so ein Unterschied zwischen Männern und Frauen.“ An Situationen, in denen sie sich nicht ernst genommen fühlte, erinnert sich Katja Kerstein nicht, „weil ich stets an der Seite starker Frauen gearbeitet habe. Die haben ihren Mann gestanden, da gab es keine Diskussionen.“
In ihrer täglichen Arbeit hat sie heute viel mit Frauen zu tun. In vielen Modehäusern stünden Frauen in der Verantwortung, etwa als Einkaufsleiterinnen. Im Damenbereich häufiger als in der HAKA, „aber ich kenne auch junge Frauen, die Herrenschuhe mit einkaufen“, so Kerstein. Die Mutmaßung, dass Frauen lieber keine Damenschuhe einkaufen sollten, weil sie dann nach ihrem eigenen Geschmack handeln würden, kann sie nicht nachvollziehen. „Ich glaube, dass eine gute Einkäuferin sehr genau weiß, was die Kundinnen wünschen, ob es sich um Prada, Rieker oder Waldläufer handelt. Sie weiß, wo der Bedarf ist. Und sie weiß das im Damenschuhsektor besser als ein Mann.“ Und nein, man kaufe als Einkäuferin nicht das, was man unbedingt selbst haben möchte, „sondern das, was die Kundin braucht.“