Beim Webinar gaben mehrere Referentinnen und Referenten Einblicke in aktuelle Einsatzfelder von künstlicher Intelligenz im Handel.
Frank Rehme, Geschäftsführer des Mittelstand-Digital Zentrums Handel, stellte zu Beginn mehrere Praxisbeispiele aus aktuellen Projekten vor. Dazu gehörten unter anderem ein Chatbot-Einsatz, automatisierte Newsletter-Erstellung, Lösungen zur Diebstahlprävention, KI-gestützte Social-Media-Kampagnen sowie Anwendungen zur Bildoptimierung für Onlineshop und Social Media. In den Beispielen ging es vor allem um Zeitersparnis, effizientere Abläufe und die bessere Verfügbarkeit von Wissen im Unternehmen. Zugleich richtete Rehme den Blick auf das Konzept des Agentic Commerce. Gemeint ist damit ein Handelsmodell, in dem KI-Agenten im Auftrag von Kundinnen und Kunden oder Unternehmen eigenständig Aufgaben wie Produktsuche, Vergleich, Auswahl, Kaufvorbereitung oder Service übernehmen.
Welche Voraussetzungen für den sinnvollen Einsatz von KI im Arbeitsalltag wichtig sind, erläuterte Stefan Houweling, Projektleiter beim Mittelstand-Digital Zentrum Handel. Er ordnete KI als Werkzeug für unterschiedliche Aufgaben ein, etwa für Kundenkommunikation, Marketingmaßnahmen, die Erstellung von Schulungsunterlagen oder auch für Logistik und Lagerhaltung. Besonderes Gewicht legte er auf die Qualität von Prompts und Daten. Gute Ergebnisse entstünden vor allem dann, wenn Aufgaben präzise formuliert, der Kontext klar beschrieben und die Eingaben schrittweise verfeinert werden. Die Grundlage jeder KI-Anwendung seien sauber aufbereitete Daten.
Einen praxisnahen Blick auf die Bilderstellung für Social Media lieferte Sonja Kaiser, Co-Founderin von Avatize und Geschäftsführerin von Schwesterherzen. Sie beschrieb die Herausforderung vieler Händler, Produkte zwar online sichtbar zu machen, dabei aber nur begrenzt regelmäßig emotionalen und individuellen Content zu produzieren. Ihr Ansatz: Bilder direkt von der Fläche so zu verarbeiten, dass ohne großen technischen Aufwand digitale Produkt- und Outfitdarstellungen entstehen, die sich für Social Media und andere Kanäle nutzen lassen. Das soll Avatize, die KI-Lösung für Modehandel, Agenturen und Produzenten, ermöglichen.
Mit den Veränderungen der digitalen Sichtbarkeit beschäftigte sich Susanne Dierl, KI-Trainerin beim Mittelstand-Digital Zentrum Handel. Sie machte deutlich, dass klassische Suchmaschinenoptimierung weiterhin relevant bleibt, die Anforderungen an Sichtbarkeit im digitalen Handel aber breiter werden. Neben Rankings und Keywords gewinnen strukturierte Produktinformationen, konsistente Daten über verschiedene Systeme hinweg und die Darstellung in KI-gestützten Antwortoberflächen an Bedeutung. Für Händler gehe es daher zunehmend darum, Angebote so aufzubereiten, dass sie verständlich, vertrauenswürdig und technisch sauber verfügbar sind.
Einen weiteren Schwerpunkt setzte Sergio Marschall, KI-Trainer der Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand, mit dem Thema IT-Sicherheit. Er verwies darauf, dass sich Risiken im Umgang mit Chatbots nicht nur aus den Eingaben eigener Mitarbeitender ergeben, sondern auch aus den Inhalten, die externe Nutzer in unternehmenseigene Systeme eingeben. Damit wurde deutlich, dass der Einsatz von KI immer auch mit Fragen von Sicherheit und verantwortungsvollem Datenumgang einhergeht.
Wie KI auch im Recruiting eingesetzt werden kann, zeigte Sebastian Niehaus, CEO und Co-Founder von Search 4 Global. Im Mittelpunkt standen schnellere Prozesse, gezieltere Ansprache und die Verbindung von automatisierten Abläufen mit persönlichem Dialog. „In Deutschland hängen wir oft hinterher, was KI-optimierte Prozesse im Recruiting angeht.“ Vorgestellt wurden unter anderem Ansätze wie KI-gestütztes Screening, Chatbots für Standardfragen und avatarbasierte Bewerbungsgespräche. Gleichzeitig betonte Niehaus, dass KI menschliche Entscheidungen nicht ersetzt, sondern vor allem bei Strukturierung, Vorauswahl und Beschleunigung unterstützen kann.
Abschließend ging es mit Florian Daiber, KI-Trainer beim Mittelstand-Digital Zentrum Handel, um die Frage der KI-Readiness in kleinen und mittleren Unternehmen. Das Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk bietet Readiness Checks für KMU an, die zeigen, wie fortgeschritten man im Bereich KI bereits aufgestellt ist. Im Fokus stand dabei, wie Unternehmen ihren eigenen Reifegrad einschätzen, vorhandene Potenziale erkennen und konkrete nächste Schritte ableiten können.