Die Zeiten, in denen man zum Händler seines Vertrauens ging, um sich für einen Anlass gut und angemessen einzukleiden, dürften der Vergangenheit angehören.
04.05.2016
Petra Salewski
2 Minuten
Zugang wählen und weiterlesen:
Noch kein Abo?
– Alle Artikel lesen – Alle ePaper lesen – Alle Newsletter erhalten
Keine Ausgabe verpassen: Alles aus dem Shoe-Business - kritisch, tiefgründig und vielseitig. 100% Branchenwissen für Ihren Erfolg im Geschäft mit Schuhen. Gedruckt oder als ePaper + alle Inhalte der Website.
Es soll sie ja (noch) geben, die übers Jahr verteilten Gelegenheiten, zu denen man gemeinhin eine neue Garderobe und neues Schuhwerk benötigt. Hochzeiten natürlich. Der Schulanfang. Weihnachten und Silvester. Die Erstkommunion oder Konfirmation. Der Abi-Ball. Viele Händler stellen sich auf solche Termine mit entsprechenden Sortimenten ein. Immer wenn das Abi naht, wird die festliche Ware im Kaufhaus prominent inszeniert. Wenn es im Mai wieder allerorten heißt: ’Traut Euch‘, locken viele Händler mit entsprechenden Angeboten. Wer das richtige Sortiment für solche Anlässe bereit hält und entsprechend bewirbt, hat gute Chancen, von der traditionell sprunghaft ansteigenden Nachfrage zu profitieren. Vorausgesetzt, es gibt diese ansteigende Nachfrage – ob nun sprunghaft oder nicht. Denn das ist keineswegs mehr überall sicher. Auch bei der so genannten Anlassmode verändert sich das Konsumentenverhalten. Beispiel gefällig? Erstkommunion in Düsseldorf.
Die linksrheinischen Stadtteile feierten am 1. Mai gemeinsam; dutzende Kids um die neun Jahre erlebten ihren großen Tag und rauschende Familienfeste. Wer allerdings erwartet hatte, dass kleine Elfen in spitzenbesetzten bodenlangen Kleidchen und mit weißen Ballerinas zum Fest kommen würden, begleitet von Jungen in schwarzen Anzügen, mit Fliege oder Schlips; an den Füßen glänzende Schnürschuhe, der staunte nicht schlecht.
Immerhin: Der Anzug lebt
Denn: Das stylische Girlie trägt heute zur Kommunion auch gern mal einen weißen Hosenanzug, kombiniert mit silberfarbenem Top. Dazu: schneeweiße Chucks. Andere Mädchen arrangieren zum knappen weißen Minirock goldene Schläppchen. Und die Jungs, die vielleicht letzte Bastion des traditionellen Outfits? Anzüge trugen sie alle, immerhin. In Jeans hat sich dann doch keiner getraut. Allerdings suchte man den guten alten Halbschuh vergeblich. Das Rennen machten weiße Chucks, rote Vans oder Sneaker in Kontrastfarben von New Balance. Und: Das sah gar nicht schlecht aus! Nun mag es im linksrheinischen Düsseldorf etwas anders zugehen als in den ländlichen Regionen in Oberbayern oder in der Eifel. Dennoch sagt diese Momentaufnahme etwas aus über unser Selbstverständnis in Sachen Outfit. Früher hätte man dem Sohn mit Turnschuh- Ambitionen zur Kommunion gesagt: „Geht nicht. Du musst richtige Schuhe anziehen.“ Heute erntet die Mutter beim Hinweis auf dunkle Halbschuhe ein mitleidiges „Nö“. Damit dürften die Zeiten, in denen man zum Händler seines Vertrauens ging, um sich für einen Anlass gut und angemessen einzukleiden, der Vergangenheit angehören.
Wer das Treiben am Kommunionstag in Düsseldorf beobachtete, fragte sich unweigerlich: Werden diese Kids jemals Freude an gutem, klassischen Schuhwerk haben? Wenigstens gelegentlich? Als Hoffnungsschimmer sei erwähnt, dass die Erwachsenen durchweg glamourös gekleidet waren. In Chucks kam keiner.