Es war ein heilsamer Schock. Rubin Ritter, Co-CEO von Zalando, berichtete in der vergangenen Woche von seinem ganz persönlichen Weckruf in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Der Top-Manager hatte kürzlich über ein Online-Portal seinen individuellen CO2-Fußabdruck berechnet. Und schreckte zusammen. Rund 40 Tonnen des Treibhausgases waren durch ihn ausgestoßen worden – deutlich mehr als die rund 12 Tonnen, für die ein Deutscher im Schnitt pro Jahr verantwortlich ist. Diese private Bilanz nahm Ritter zum Anlass, für sein Unternehmen eine radikale Kurskorrektur vorzunehmen: Zalando soll grün werden. „Die gesamte Modebranche steht vor großen Herausforderungen beim Thema Nachhaltigkeit, und wir sind Teil des Problems“, erklärte Rubin Ritter selbstkritisch. „Zukünftig wollen wir ein Teil der Lösung sein.“
Konkrete Maßnahmen hat Zalando in der neuen Nachhaltigkeitsstrategie mit dem vielsagenden Titel „do.More“ zusammengefasst. Die Bandbreite reicht von der Reduzierung von Verpackungsmüll über die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien bis hin zur Förderung nachhaltig produzierter Mode. Zalando will mehr tun. Aus Überzeugung. Und aus Eigennutz. Schließlich besteht laut Rubin Ritter ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen nachhaltigem Handeln und wirtschaftlichem Erfolg. „Nur Unternehmen, die Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsstrategie einbeziehen, werden für Kunden relevant bleiben.“ Diese Selbstverpflichtungen und Absichtserklärungen flankierte Zalando im Übrigen mit einem starken Signal: Ab Ende Oktober will der Onlinehändler alle Kohlendioxid-Emissionen aus dem eigenen Geschäft sowie sämtlichen Lieferungen und Retouren kompensieren und so CO2-neutral arbeiten. Wie ambitioniert dieses Vorhaben ist, zeigt ein Vergleich. So hatte kürzlich auch Amazon eine Klimaschatzinitiative vorgestellt. Der E-Commerce-Riese will demnach bis 2040 vollständig klimaneutral sein. 20 Jahre später als Zalando.
Umweltaktivisten dürften das verstärkte Engagement der Berliner dennoch kritisieren. Konsum werten sie grundsätzlich negativ. Ein ehrliches Bemühen anzuerkennen, passt nicht zu ihrer fundamentalen Ablehnungshaltung. Dabei wies H&M-Chef Karl-Johan Persson vor
kurzem in einem klugen Beitrag darauf hin, dass Konsumverzicht kein Allheilmittel sein kann. Schließlich dürfe nicht die Armutsbekämpfung aus dem Fokus geraten. Es sei nämlich, so Persson, weiterhin wichtig, Arbeitsplätze zu schaffen und die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern – und dazu sind Wirtschaftswachstum und Konsum unverzichtbar.