Die Verantwortlichen der Kölner Verbundgruppe GMS meinen: Jetzt schlägt die große Stunde der Spezialisten. Und vieles spricht dafür, dass sie recht haben. Denn: Wer alles macht, macht nichts richtig. Alles unter einem Dach, ohne Richtung, ohne Profil, preis- wert, hochwertig, von allem ein bisschen – das funktioniert nicht mehr.
Nie war ein klares Konzept so wichtig wie heute. Ein Blick in die Innenstädte genügt: Shopping findet da statt, wo das Besondere vermutet wird. Wo be- stimmte Kundengruppen gezielt angesprochen werden. Mit einem genauestens zugeschnittenen Sortiment, der richtigen Markenauswahl, dem passen- den Preisaufbau, einem stimmigen Ambiente und Verkaufspersonal, das weiß, was es tut. Alles andere ist Bedarfskauf. Und für den muss man nicht mal in die Stadt. Generalanbieter, die, wohl aus traditionellem Denken heraus, meinen, sie müssten weiterhin „aus jedem Dorf einen Köter“ präsentieren, haben es jetzt schon schwer – und werden es noch schwerer haben. Die Lösung kann nur sein, ein individuelles Profil zu entwickeln, die eigenen Stärken noch besser herauszuarbeiten und das Sortiment dementsprechend noch weiter zu stärken.
Gemischtwarenläden hatten mal ihre Berechtigung. Aber das ist lange her. Im Komfortschuhbereich, der längst sein angestaubtes „Senioren“-Image hinter sich gelassen hat, steckt viel Potenzial für Händler, die sich zu Spezialisten entwickeln wollen. Das betont auch Mode-Expertin Marga Indra-Heide, die im Interview mit schuhkurier über die Kunden dieses Segments spricht. Wer in den Sechzigern den Mut hatte, im knappen Mini auf die Straße zu gehen oder wer die Flower Power-Bewegung mitgemacht oder zumindest miterlebt hat, sieht sich heute ganz sicher nicht in einer düsteren hinteren Ecke mit Regalreihen voller müder Treter.
Eine solche Kundin, ein solcher Kunde sieht sich auch nicht als „Pflegefall“, sondern steht in aller Regel mitten im Leben, mit allen Erfahrungen, die dazu gehören, und allen Ansprüchen, die daraus erwachsen. Häufig sind diese „junggebliebenen“ Komfortkunden auch wirtschaftlich unabhängig und bereit, für ein wertiges Produkt und eine gute Beratung den erforderlichen Preis zu zahlen. Sie sind offen für Neues und zugleich treu, wenn etwas ihren Vorstellungen entspricht.
Es kann also sinnvoll für den Schuhhandel sein, den Komfortschuh-Sektor genauer zu beleuchten und sein Potenzial zu analysieren. Vielleicht steckt in harten Zeiten gerade hier der Schlüssel zum Glück.