Der Rückenwind lässt nach. Der verlässliche deutsche Wirtschaftsmotor ist ins Stocken geraten. Im August ist einer der wichtigsten Indikatoren, der Geschäftsklimaindex des Münchener IFO-Instituts, zum fünften Mal in Folge gesunken. Die Stimmung in den Chefetagen ist so schlecht wie seit Ende 2012 nicht mehr. „Die Unternehmen schätzen ihre aktuelle Lage erneut deutlich schlechter ein. Auch mit Blick auf die kommenden
Monate nahm der Pessimismus zu. Die Anzeichen für eine Rezession in Deutschland verdichten sich“, erläuterte Clemens Fuest, Präsident des IFO-Instituts, die jüngsten Umfrageergebnisse. Im Übrigen nehmen nicht nur in den großen deutschen Konzernen die Sorgenfalten zu. So erhebt das IFO-Institut regelmäßig auch die Stimmung im Schuhhandel. Und dieser liegt (leider) auf Kurs: Im August zeigten sich die Schuheinzelhändler demnach merklich unzufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Auch die Geschäftsaussichten bleiben eingetrübt, der Saldo sank zum zweiten Mal in Folge, blieb jedoch über dem Vorjahreswert.
Der maßgebliche Faktor für die Abkühlung der Weltwirtschaft ist wohl bekannt. Seit Januar 2017 sitzt er im Weißen Haus in Washington. Die aggressive Innen- und Außenpolitik von Donald Trump gipfelt auf internationaler Ebene im Handelsstreit der USA mit China. Eine Lösung lässt weiterhin auf sich warten. Und so nimmt die Unruhe zu. Einerseits in den USA selbst, wo jüngst Matt Priest vom Schuhverband FDRA die permanente Androhung von höheren Einfuhrzöllen auf Schuhe aus China durch Trump als „Albtraum“ für die Branche und die Konsumenten in den USA bezeichnete. „Diese Unsicherheit könnte uns direkt in eine Rezession stürzen, in der wir Tausende von Jobs in der amerikanischen Schuhbranche verlieren. Das ist keine Übertreibung“, so Matt Priest. Unsicherheit ist zugleich auch das Stichwort für europäische und deutsche Unternehmen. Wenn die beiden mit Abstand größten Volkswirtschaften der Welt miteinander im Clinch liegen, können sich auch alle übrigen Nationen den Auswirkungen entziehen. Denn welches deutsche Unternehmen, das in die globalen Lieferketten eingebunden ist, sollte investieren, wenn die Rahmenbedingungen völlig unklar sind und sich innerhalb eines präsidialen Tweets gravierend verändern können?
Natürlich kommen weitere Gründe für die drohende Flaute hinzu. Der Brexit, das Chaos in Italien, Missmanagement in der Autoindustrie – nun rächt sich die extreme Exportorientierung der deutschen Wirtschaft. Zum Glück, könnte man sagen, gibt es eine alte Schuhhändler-Weisheit, die lautet: „Schlechte Auto-Jahre sind gute Schuh-Jahre.“ Sollte sich dies bewahrheiten, kann die Branche der weiteren Entwicklung gelassen entgegensehen. Ignorieren sollte sie die Großwetterlage jedoch nicht.