Dieses Bild beschreibt die Situation rund um das Thema Nachhaltigkeit in der Schuhbranche. In unseren Recherchen zur Vorbereitung dieser Ausgabe haben wir kein Unternehmen aus Handel und Industrie gesprochen, das sich nicht mit Fragen der Nachhaltigkeit beschäftigt. Niemandem ist das Thema „egal“. Die bereits in die Wege geleiteten Initiativen sind aber sehr unterschiedlich. Das fängt schon damit an, dass Nachhaltigkeit ein Begriff ist, der alles bedeuten kann. Und nichts. Produktion in Deutschland, Verzicht auf chromgegerbtes Leder, Einsatz von Komponenten aus recyceltem PET, Verzicht auf Plastikverpackungen, Einsatz von LED…
Es gibt sehr viele Ansätze, um mehr Nachhaltigkeit in der Schuhbranche zu erreichen. Immer vorausgesetzt, das ist wirklich gewollt und nicht bloß ein Lippenbekenntnis im Sinne einer zeitgemäßen Marketingstrategie.
Wer sich als Unternehmer in Handel und Industrie ernsthaft mit dem Themenkomplex Nachhaltigkeit beschäftigt, wird schnell darauf stoßen, dass noch mehr möglich ist. Es lässt sich immer noch ressourcenschonender arbeiten, es kann noch mehr Energie gespart werden. Das ist vielleicht unbequem und erfordert Umdenken. Aber es geht. Ein Unternehmer sagte mir kürzlich, er habe es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Mitarbeiter immer wieder im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu ermahnen. Das fange beim Lichtausmachen an, wenn man einen Raum verlässt, und höre bei der nachhaltigen Organisation der Supply Chain auf. „Und schaden kann es ohnehin nicht“, betonte dieser Unternehmer. „Selbst wenn wir in 50 Jahren feststellen würden, dass der Klimawandel doch nicht vom Menschen gemacht ist, hätten wir trotzdem Ressourcen gespart und den Planeten geschont.“
Bei allem Bemühen und Wollen muss aber auch gesagt werden, dass nicht alles möglich ist. Ein Schuh ist ein komplexes Gebilde, er besteht aus sehr vielen unterschiedlichen Materialien und lässt sich nicht „mal eben so“ in eine schadstofffreie oder gar vollständig recyclebare Variante umbauen. Man wird also auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit immer auch Kompromisse machen müssen.
Und dann ist da noch der Verbraucher, bei dem spürbar ein Umdenken stattfindet, das aber dennoch nicht frei ist von Widersprüchen. Vegan soll ein Schuh sein und trotzdem plastikfrei. Nachhaltig soll ein Schuh sein. Aber nicht mehr als 100 Euro kosten. Auch hier zeigt sich die Kluft zwischen Wollen und Können.